Far Out - meine Astronomie-Homepage

Kurzbericht zum Meade Explorer 395 (Optik/Tubus)

Auf der ATT 2000 erwarb ich die Optik eines Explorer 395. Es handelte sich offenbar um ein Ausstellungsstück und es gab eigentlich nur an der Taukappe einige kleine Lackschäden. Ein 6x30 Sucher war auch dabei.
Ursprünglich war ich auf der Suche nach einem Leitrohr mit 80mm Öffnung. Daraus wurde dann ein 90mm F/11 Refraktor, also 1000mm Brennweite und zwar ein Achromat.
Der Metall-Tubus ist robust, und insgesamt deutlich schwerer, als das Vixen 90M, welches dieselben optischen Eckdaten hat.Das Objektiv sitzt in einer Fassung aus schwarz eloxiertem Aluminium. Die Taukappe wird darauf aufgesteckt, wobei ein eingeklebter Samtstreifen als Rutschbremse dient.
Die Halterung für den Okularauszug ist aus Alu-Guß mit dem üblichen Hammerschlag Lack. Der Okularauszug aus Aluminium geht stramm und spielfrei, außer auf dem letzten Zentimeter. Über vier Kreuzschrauben ist der Andruck der Fokussierräder einstellbar. Die Fokussierräder selbst sind aus Kunststoff. Natürlich läßt sich der Okularauszug mit einer Schraube festklemmen. Er hat einen Innendurchmesser von 40 mm. Anstatt darauf direkt ein T2-Außengewinde  (42 mm Durchmesser)  aufzusetzen, wurde hier (natürlich!) ein Innengewinde vorgezogen. Dahinein wird ein weiterer Zwischenring geschraubt, der wiederum auf ein ca. 35mm Innengewinde endet. Dahinein erst wird der 1,25" Okularanschluß geschraubt.

Okularauszug und Anschlußringe
Der Okularauszug, vorn rechts der unsinnige Übergangsring

Der mitgelieferte 6x30 Sucher hat keine Schnellkupplung. Die Halterung wird vielmehr mit 4 Schrauben auf dem hinteren Gussteil angeschraubt. Dafür kann der Sucher am vorderen und hinteren Fassungsring mit je drei Schrauben justiert werden. Die Justierschrauben lassen sich sogar mit kleinen Ringen kontern. Dadurch ist der Sucher prima zu justieren.  Der Sucher ist überhaupt gut gelungen, neben der üblichen Schraubfokussierung am Objektiv bietet er einen sehr angenehmen Einblick und ein helles Bild. Auch mit Brille ist das Gesichtsfeld voll zu überblicken. Nur das Fadenkreuz ist ziemlich "fett" geraten.
Die Teleskopoptik will dem Sucher natürlich nicht nachstehen. Das Objektiv ist Mehrschicht-Vergütet, allerdings mit einer dunkelblau-violetten Beschichtung. Als Einsteiger ist man geneigt, gerade bei der Mondbeobachtung eher Übervergrößerung einzusetzen. Das Auge gaukelt einem auch bei 200x noch ein sehr scharfes Bild vor - eine Folge des Auflösungsverlusts der Netzhaut bei dunklen Bildern. Man sollte sich auf  130x beschränken und beim Mond zwischen 150x und 180x das sinnvolle Maximum sehen. Das Gerät ist, wegen des geschlossenen Tubus und der relativ kleinen Öffnung relativ selten von Luftunruhe betroffen, diese Vergrößerung sind als wetterbedingt auch oft nutzbar.
Die Farbfehler sind deutlich bemerkbar, aber gegenüber heute verbreiteten achromatischen Objektiven mit größeren Öffnungsverhältnis gering. Je nach Fokuslage gibt es einen gelben oder blauen Saum. Während der gelbe Saum sich zum Beispiel mit dem Skyglow-Filter herausfiltern läßt, ist das Bild in der Einstellung mit blauem Saum um eine Spur schärfer. Feine Mondkrater oder auch (mit Sonnenfilter) beobachtete Sonnenflecken sind durch den Farbfehler blau statt schwarz.
Das in den letzten Jahren aus der Mode gekommene Öffnungsverhältnis zahlt sich aber auf jeden Fall in guter Bildqualität aus. Kleiner wird der Farbfehler in dieser Preisklasse nicht, wenn man in seine Überlegungen einbezieht, dass 90mm f/15 schon eine deutlich stabilere Montierung benötigen.
Am Mars zeigt das Gerät einige Oberflächendetails, die sich durch Einsatz von Skyglow (BG 20), Orange (Wratten 22) oder Rot-Filter (Wratten 24) noch verstärken ließen. Bei der diesjährigen Marsopposition mit sehr südlicher Deklination zeigte der Explorer 395, daß er bei nur 13° Höhe über dem Horizont und sehr schlechter Luftruhe mehr Detail herausholen konnte, als ein 12" F/5 Newton. Dies liegt aber einzig in der geringen Anfälligkeit gegen (Tubus-)Seeing begründet und stellt keinesfalls den Normalfall dar.
Der Explorer fühlt sich auf der Vixen GP, GP-DX und auch auf meiner Losmandy Gm-8 pudelwohl. Wegen des langen Hebels sollte man aber zur Fotografie die Hutmethode heranziehen, da der Spiegelschlag der Kamera sonst je nach Kameramodell das Bild verwackelt.
Auf Jupiter zeigen sich nicht nur die 2 Äquatorialen, sondern auch die Bänder der gemäßigten Breiten. Schattendurchgänge der Monde sind ebenfalls beobachtbar. Zur Auflösung der Cassini-Teilung auf Saturn hatte ich noch keine Gelegenheit. Dies kann zwar nur bei gutem Seeing gelingen, liegt aber im Bereich des Möglichen.

Saturn mit der Webcam
Saturn am 2.11.2001 gegen 2:30h, Explorer 395 + 2x Barlow
Webcam, Addition von 11% aus 302 Einzelbildern mit Giotto

Ein direkter Vergleich mit meinen anderen Geräten mit 1000mm Brennweite, welches die Russentonne MTO 11CA (100/1000) und
das
Kosmos 114 (114/1000 Short-Tube) sind, zeigte die überragende Kontrastleistung des Explorers.
Bei der Mondbeobachtung fand sich eine einzeln stehende Bergspitze im Sonnenlicht, weitab vom Terminator von Dunkelheit umgeben. Diese Bergspitze fiel im Explorer sofort ins Auge, während sie in beiden  Spiegelteleskopen nur durch indirektes Sehen auszumachen war. Das Bild im Explorer erschien mir dabei noch etwas dunkler, als das der Spiegelteleskope. Verwendet wurde dabei jeweils dasselbe LV 10 Okular.
Das Gerät ist natürlich mit 90mm Öffnung noch kein wirkliches DeepSky Gerät. Kugelsternhaufen lassen sich (mit Ausnahme von 47 Tucanae und Omega Centauri) nicht auflösen. Die leicht auflösbaren Kugelsternhaufen wie M 13 zeigen wenigstens einige Randsterne und ein ungleichmässiges Zentrum. Nur die hellen Messierobjekte bieten angenehme Beobachtungsmöglichkeiten.

Mond mit der Webcam
Mond am 2.11.2001 gegen 1:30h, Explorer 395 Primärfokus
Webcam Aufnahme, Addition aus 20% von 502 Einzelbildern

Fazit:
Das Gerät ist als Leitfernrohr zu Schade. Es ist ein Planeten und Mondspezialist, der auch bei schlechter Luftruhe noch viel zeigt.  Aufgrund dieser Spezialisierung möchte ich den Explorer 395 auch nicht als ideales Einsteigerteleskop betrachten, zumal er auch wegen der Baulänge gewisse Anforderungen an die Montierung stellt. Für mich ist er ein ideales Zweitgerät zu meinem DeepSky spezialisierten 8 Zöller.
Mit der Leistung der Optik bin ich vollständig zufrieden. Der Farbfehler ist auch für Spiegelverwöhnte erträglich.


Mars am 24.9.2003, ToUCam Pro, 2x Barlow, IR-Sperrfilter

Überarbeitete Fassung vom 23.5.2011.

Zurück zu Getestet