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Brauche ich wirklich einen Sonnenfilter?
Obiges Bild ist ein wunderbares Beispiel für die Gefahr, die von der Sonnenbeobachtung mit unzureichender Ausrüstung ausgeht. Unfälle bei der Sonnenbeobachtung haben leicht die Erblindung zur Folge. Da seit der Sonnenfinsternis 1999 die Notwendigkeit eines Augenschutzes hinreichend bekannt ist, geht die grösste Unfallgefahr jedoch vom Okularsonnenfilter aus!
Um die auftretenden Energien einmal zu kategorisieren: Ein 114mm Teleskop mit 900mm Brennweite erzielt nahe des Brennpunktes die 20-fache Leistung einer Herdplatte. Bei recht klarem Wetter strahlt die Sonne mit 1000W/m² auf die Erde. Unser Beispielteleskop soll 114mm Spiegeldurchmesser haben, also 0,0102m² Lichtsammelfläche. Fakt ist, daß die Okularsonnenfilter einfach platzen oder schmelzen. Ausserdem wird der Fangspiegel eines Spiegelteleskopes ebenfalls ähnlich stark erhitzt und beschädigt. Ein vernünftiger Filter muß wirken, bevor das Licht gebündelt wird - vor der Teleskopöffnung.
Würden Sie ihr Auge auf eine Herdplatte halten? Welche Sonnenfilter sind sinnvoll? Sinnvoll sind zunächst einmal nur solche Sonnenfilter, die vor der Teleskopöffnung angebracht werden. Üblicherweise wird die Wirksamkeit eines Sonnenfilters mit dem Wert der Neutralen Dichte (ND) angegeben. Für visuelle Beobachtungen empfehlen sich Sonnenfilter mit dem Wert ND 5. Filter mit ND 4 oder ND 3,5 liefern schon ein unangenehm helles Sonnenbild und dienen fotografischen Zwecken zur Verkürzung der Belichtungszeit. Als Filtermaterial sind Glas oder Folie prinzipiell gleichermassen geeignet. Es gibt reflektierende und schwarze Folie, sowie reflektierende Filter. Die reflektierenden Filter sind metallbedampft. Während die Folie schnell beschädigt werden kann, treten bei billigen Glasfiltern z.B. Keilfehler auf, die ein unscharfes Sonnenbild verursachen. Für beide gilt: vor jeder Verwendung des Filters sollte er in die Sonne gehalten werden und mit blossem Auge auf Beschädigungen der Filterschicht getestet werden. Zweckentfremde Materialien, das böse Wort “Rettungsfolie” sei genannt, kann ich keinesfalls empfehlen. Im Gegenteil. Besonders im Infrarot- und UV-Bereich sind diese Folien durchlässiger, als man es mit blossem Auge zu sehen glaubt. Bei aller Liebe zum Sparen: Die DM 15,- für einen A4 Bogen guter, mehrfach bedampfter ND 5 Folie machen doch niemanden arm, oder? Während der Astrofotograf gerne Sonnenfilter mit einem leicht orangenem oder gelblichen Sonnenbild bevorzugt, wird der rein visuelle Beobachter oder Zeichner eher einen neutralen Filter bevorzugen.
Ausführliche Messungen zum Verhalten verschiedener Sonnenfilter gibt es bei Peter Höbel: http://www.sonnen-filter.de/ | ||||||||||||