Far Out - meine Astronomie-Homepage

Das Vixen R 150 S


Gut handhabbar und leicht genug für Astrofotografie mit der GP

Ein Deep-Sky orientierter Newton der leicht zu transportieren ist und wenig Ansprüche an seine Montierung stellt. Unter dieser Prämisse bietet das  R 150 S mit seiner 150mm Öffnung einen guten Einstieg in die DeepSky-Beobachtung mit einem für diesen Zweck sehr angenehmen Öffnungsverhältnis von F/5. 750mm Brennweite machen das Gerät zu einem Richfield Teleskop.
Das R 150 S hält sich optisch an die klassische Newton-Konstruktion. Die Fokussierung allerdings ist eine Besonderheit, sie erfolgt nämlich mit einem Schlitten. Das R 150 S besitzt eine Einarm-Fangspiegelhalterung, welche zusammen mit dem Okularstutzen auf einem Schlitten montiert ist. Zum Fokussieren wird nun dieser Schlitten in einer soliden Schwalbenschwanzführung bewegt. Obwohl rein technisch ein wesentlich grösserer Fokussierbereich möglich wäre, reichen die 30mm Weg dank des Öffnungsverhältnis F/5 aus. Der Schlitten fährt gleichmässig und gegen sanften Widerstand in der Schiene, ohne zu verkanten. Natürlich gibt es eine Fixierschraube und als kleine Besonderheit eine Skala in Millimeterteilung mit 1/10mm Nonius, so daß eine einmal gefundene Fokusposition sehr genau wieder hergestellt werden kann. Zu beachten ist natürlich, daß die Fokuslage sich durch Temperaturwechsel verschieben kann, weshalb der Nonius sinnvoll nur bei kurzen Wechseln zwischen Okular und zum Beispiel einer Kamera mit seiner ganzen Genauigkeit zum Einsatz kommen kann. Leider ist die Konstruktion nicht unproblematisch, wie man im Praxisteil erfahren wird.


Der Okularschlitten mit Nonienskala

Die Fangspiegel-Halterung aus Aluminium ist mit 5mm stärke sehr stabil, leichter Druck mit dem Finger bringt den Fangspiegel kaum aus seiner Position. Wird die Fixierschraube am Fokussierschlitten angezogen ist eine Bewegung fast nicht mehr sichtbar. Da man bei der Beobachtung nicht kräftig mit dem  Finger gegen die Halterung drückt, ist diese Konstruktion absolut praxistauglich. Der Fangspiegel selbst ist auf einer Alu-Fassung ordentlich geklammert und natürlich mit ordentlichen Schrauben gut zu justieren. Das Innere des Tubus ist  mattschwarz lackiert, ebenso die Fangspiegelhalterung. Lediglich die Fangspiegelfassung ist nur schwarz eloxiert. Der Hauptspiegel wird von drei breiten und justierbaren Metallklemmen gehalten. Der Tubus ist robust und wird von einer sauberen und glattgeschliffenen Schweissnaht zusammengehalten. Oben ist er mit einem breiten Aluring abgeschlossen, unten steckt er in einem weiteren Alu-Gußteil welches gleichzeitig die Spiegelzelle enthält. Während der obere Ring sehr sauber sitzt, liegt der Tubus am unteren Ring nicht an allen Stellen eng an, obwohl hier sechs Schrauben zur Befestigung verwendet wurden. Der Tubusdeckel aus Kunsstoff sitzt dicht abschließend und stramm, aber nicht zu fest. Zunächst hält man zwei aufgesetzte Ringe für abnehmbare Kappen zur abgeblendeten Beobachtung, aber die Kappe besteht nur aus einem Stück.


Die Einarm-Fangspiegelhalterung ist robust ausgelegt

Die Rohrschellen sind sehr robust aus 6mm starkem Alu, 40mm breit und innen mit Filz gepolstert. Die Scharniere haben kräftige Achsen und kaum Spiel. Mit einer griffigen Schraube kann die Rohrschelle bequem angezogen oder gelockert werden. Die Rohrschellen haben jeweils zwei Aufflageflächen von 30x40mm Größe, so daß die Konstruktion auf jeder Montageplatte ordentlich aufliegt.
Alle Gußteile sind mit dem Vixen-üblichen grünen Hammerschlaglack versehen. Der Lack ist sehr robust und auch an den Auflageflächen der Rohrschellen lässt sich nach einiger Benutzung kaum Verschleiss sehen. Die Lackschicht ist auch gleichmässig aufgetragen, so daß die Auflageflächen nicht unbrauchbar werden.
Die Vixen-übliche Sucherhalterung zum schnellwechseln trägt einen 6x30 Sucher. Für ein Gerät mit 150mm Öffnung ist das eine ausreichende Größe, aber bei der DeepSky-Beobachtung ist ein 7x50 Sucher dennoch eine wesentliche Hilfe.
Das Gerät hat leider nur einen 31,8mm (1,25 Zoll) Okularauszug, was das Gesichtsfeld auf etwas über 2° Beschränkt. Für visuelle Beobachtung ist das ein ganz ordentliches Gesichtsfeld, für Fotografie führt dies aber leider zu einer Vignettierung - wird der Okularstutzen abgeschraubt bleiben 34mm Durchmesser frei, was die kleine Achse des Kleinbildformats aber noch gut beleuchtet. Für Planetenfotografie ist das übliche 36mm Gewinde sowohl direkt auf der Basisplatte des Okularschlittens, als auch an der ca. 40mm langen Verlängerungshülse zwischen Basisplatte und Okularstutzen zu finden. Hier kann der passende Vixen Projektionsadapter befestigt werden.
Die kleine Achse des Fangspiegels misst ca 50mm, was zu einer Obstruktion von 30% führt. Für ein F/5-Gerät ist dies schon recht ordentlich und durch den Verzicht auf  2 Zoll Okulare wird hier auch etwas Obstruktion eingespart.
Dank F/5 kann man mit dem R 150 S für DeepSky-Beobachtungen gute AP-Werte erzielen. Geht man von 7mm Pupillenöffnung aus, lässt sich eine entsprechende Lichtstärke mit einem 35mm Okular also ca. 21-facher Vergrößerung erzielen. Mit einem 1,25 Zoll-Okular ist das scheinbare Gesichtsfeld dann mit ca. 45°-50° noch vertretbar.  Bei 25mm Okularbrennweite können auch Weitwinkelkonstruktionen mit über 60° Gesichtsfeld zum Einsatz kommen, wobei mit 5mm AP immer noch eine ordentliche Bildhelligkeit bereitsteht. Damit bietet das R 150 S sehr schöne DeepSky Eindrücke und muß auch vor schwachen Objekten nicht zurückstecken, solange die Beobachtung zwischen 20-50-facher Vergrößerung Sinn macht. Auch Nebelfilter wie UHC und OIII  können sehr gut mit bis zu 100-facher Vergrößerung eingesetzt werden - darüber hinaus wird das Bild bei vielen Objekten zu dunkel.
Kugelsternhaufen wie M13 werden am Rand sehr schön in einzelne Sterne aufgelöst, im Inneren stehen die Sterne aber noch zu dicht. Dennoch bereits ein wunderbarer Anblick.
Mit 6 Zoll Öffnung sind die Ziele für Galaxienjagd noch nicht sehr zahlreich. Dennoch lohnt sich die Beobachtung dank ausreichender Bildhelligkeit nicht nur für die Messierobjekte.

Die erste Beobachtung erfolgte unter Balkonbedingungen, an einem durchschnittlichen Herbst-Abend, der die 5,0mag im Zenit knapp verfehlte. Das Öffnungsverhältnis von F/5 liess schöne Wide-Field Beobachtung zu. Randscharfe Abbildung erfordert gut korrigierte Okulare, allerdings ist die Rand-Abbildung auch mit Standard-Okularen (z.B. Plössl) erträglich.
Nachdem sich eine gute Dunkeladaption eingestellt hatte, war der Zenitnahe Cirrusnebel (NGC 6992-6992) im 25mm Okular mit OIII-Filter gut erkennbar. Das grosse Gesichtsfeld des kurzbrennweitigen 6-Zöllers zeigte den Nebel fast als Halbkreis mit schönen, diffusen Strukturen. Ebenfalls im 25mm Okular, war der eigentlich hellere Bereich "Sturmvogel" NGC 6960 in der Blendung durch 52 Cygni nur schwer zu beobachten. Bei beiden Nebelteilen half die stärkere Vergrößerung des 15mm Okulars, wieder mit OIII-Filter.
Der Hantelnebel M27 zeigte sich zunächst in der bekannten Hantelform, erst mit dem OIII-Filter traten die "Ohren" hervor, so daß der Nebel nun ein deutlich rundes Erscheinungsbild erhielt. Die unregelmässigkeiten in der Scheibe waren ebenfalls erkennbar.
Der Kugelsternhaufen M15 zeigte im 5mm Okular einige schwache Randsterne, blieb ansonsten aber neblig. Der leichter aufzulösende M13 zeigt sich mit mehr Randsternen und einem "fleckigen" Bereich nahe dem Zentrum. Das Zentrum selbst bleibt auch bei M13 verschwommen.
Im Bereich DeepSky zeigte dann auch NGC 6226, der "blinking planetary Nebula" dem Gerät seine Grenzen auf. Während der 8-Zöller das Objekt noch flächig zeigt, so wird im R 150 S die Unterscheidung von einem Stern zumindest unter den beschriebenen Bedingungen unmöglich.
Auch am Planeten sollte sich das R 150 S zeigen, allerdings war in dieser Beobachtungsnacht lediglich der ferne Uranus in Sichtweite. Diesen zeigte der handliche Newton als kleines, leider recht farbloses Scheibchen.


Der Okularschlitten erwies sich bei der zenitnahen Beobachtung als heikle Schwachstelle des Geräts. Schon unter dem Gewicht eines leichten 5mm Okulars rutschte der Schlitten von selbst abwärts. Zum Fokussieren musste deshalb das Okular buchstäblich "oberhalb" des Fokus positioniert werden. Während der Schlitten dann zu rutschen begann, musste im richtigen Moment die Feststellschraube angezogen werden - was zunächst in drei von vier Fällen daneben ging.
Wieder im Warmen fanden sich schnell zwei Madenschrauben, mit denen sich der Widerstand einstellen ließ. Da allerdings das Gewicht des Okulares oder der Kamera direkt auf den Fokussiertrieb wirkt, bedeutet eine vernünftige Einstellung eine recht schwergängige Fokussierung.
Die Probleme mit dem Okularschlitten verdienen eine nähere Betrachtung. Durch die schwergängige Fokussierung wird das Fokussierrad stark belastet. Die Madenschraube, die es auf der Achse hält, lockert sich und muss  nach einigen Beobachtungsnächten nachgezogen werden. Hier trat eine weitere Schwachstelle zu Tage, denn die Madenschraube sitzt in einem Metallgewinde, dass in den Kunststoff des Fokussierrades eingepresst ist. Beim satten anziehen der Madenschraube geschah es nun, dass der Druck das Gewindeteil aus dem Kunststoff drückte. Die Folge: Das Fokussierrad ließ sich nicht mehr spielfrei auf der Achse fixieren. Erst teurer 2-Komponentenkleber konnte das Problem beheben. Was man hier aber eigentlich fordern muss ist ein Fokussierrad aus Metall, dass den auftretenden Kräften auch gewachsen ist. Ist das vorhandene Fokussierrad gealtert, ist der Schlitten wohl öfter die Ursache eines nächtlichen Fluches, als die Nonienskala Anlass zur Freude bietet.

Fazit:
In Verbindung mit der GP-Montierung bietet das R 150 S sich als gute Kombination für den ambitionierten Einsteiger. Das Gerät ist gut zu beherrschen und lässt sich für Deep-Sky und Planeten gleichermaßen einsetzen. Durch sein geringes Gewicht kann es auch auf der GP zusammen mit einem leichten Leitrohr für Deep-Sky-Fotografie genutzt werden. Bis auf die beschriebenen Probleme mit dem Okularschlitten erhält man ein einwandfrei verarbeitetes Gerät mit einer guten optischen Leistung. Es bietet insgesamt eine sehr schöne Kombination aus Gewicht, Baulänge und Leistung.
 

Zurück zu Getestet