Far Out - meine Astronomie-Homepage

Die Losmandy GM-8
- Ein Erfahrungsbericht -

Die GM-8 mit R200SS 

Die Aufgabenstellung für meine Wunschmontierung war: Transportabilität und gleichzeitig Tragfähigkeit für Deep-Sky Astrofotografie mit einem 8 Zoll Newton.
Es handelt sich bei diesen Geräten um ein R200SS, ein foto-spezialisierter Newton mit Öffnungsverhältnis F/4 und
den Meade Explorer 395, ein F/11 Refraktor, als Leitfernrohr. Als leichtgewichtige Alternative steht auch eine 100/1000mm Russentonne als Leitfernrohr zur Verfügung. Eingerechnet der Kamera und weiteren Zubehörs ging ich von einer nötigen Tragkraft von 12 Kilogramm aus.
Diese Anforderung bringt die zahlreichen auf dem Markt befindlichen Montierungen für Instrumente bis 8 Zoll Öffnung an ihre Grenzen. Einzige mir noch bekannte Alternativen sind die Vixen GP-DX Montierung und die Synta EQ-6. Alle Montierungen mit mehr Tragkraft entstammen einer anderen Preisklasse und bieten auch wesentlich mehr Tragkraft. In dem "luftleerem Raum" zwischen 10 und 20 Kilogramm Tragkraft fand man lange nur die GP-DX und die GM-8, es bleibt abzuwarten, wo die nagelneue EQ-6 einzuordnen ist.
Die Entscheidung für die GM-8 fiel schließlich aufgrund der wesentlich komfortableren Steuerung und einer überzeugenden Begutachtung des Stativs auf der ATT.
Es hat richtig lange gedauert, aber um so größer war die Freude, als endlich die Lieferung aus USA eintraf. Wer Losmandy-Produkte zu kaufen wünscht, muß Lieferzeiten und auch schwankende Dollarkurse in Kauf nehmen.

Der Lieferumfang der Montierung besteht aus dem fertig montierten Achsenkreuz, dem Dreibeinstativ und einem 7 lbs (3,1 kg) Gegengewicht. Motoren für beide Achsen nebst Steuerung und Anschlußkabel bis hin zum 12V-Autoadapter sind "all inclusive". Nettes Detail: Ein Imbusschlüsselset mit amerikanischen Maßen.
Zur Fotografie ist es sinnvoll, den beleuchteten Polsucher zu bestellen. Für meine Geräte war außerdem noch ein 11 lbs (5,1 Kg) Gegengewicht nötig. Im Standard-Lieferumfang der Montierung ist keine Montageplatte für das Teleskop vorgesehen. Je nach Gerät sollte hier entweder die GM-8 UV Standardmontageplatte oder die Montageschiene für 8-Zoll Schmidt-Cassegrain-Teleskope (laut Katalog passend für Meade und Celestron) beschafft werden. Es gibt auch noch weitere Montageplatten für 2 Instrumente, mit Leitrohrschellen, etc. Für den Transport war alles sehr schön verpackt. Besonders die elektronischen Bauteile waren gut in Blasenfolie gepolstert. Eine recht gute, englische Anleitung lag bei.

Der Aufbau gestaltete sich wirklich einfach. Das Achsenkreuz wird auf die Aufnahme des Dreibeinstativs gesetzt und verschraubt, die Gegengewichtsstange und die Motorsteuerung werden angeschraubt, dann müssen lediglich die Kabel zu den Motoren und zur Handsteuerbox eingesteckt werden - fertig zur Aufnahme von Teleskop und Gegengewichten.
Wichtigstes Detail einer Fernrohrmontierung ist die solide Basis. Das ausziehbare Dreibeinstativ ist wirklich eine erfreuliche Sache. Anstatt dünnwandige Alurohre mit Profil zu verwenden, hat sich Losmandy für dickwandige Vierkantrohre, ebenfalls aus Aluminium entschieden. Mit großen Drehknöpfen werden die Ausziehteile und auch die Ansätze an der Aufnahme für die Montierung festgezogen.  Einzige Kunststoff-Teile am Stativ sind diese Drehknöpfe. Anstoßen des Stativs mit dem Finger läßt auch am Ende der Gegengewichtsstange keine Vibration spürbar werden - "Festgemauert in der Erden"!
In der Spinne des Dreibeinstativs ist eine Bohrung mit Gewinde, wo man sich leicht eine Ablageplatte montieren kann.
Die Aufnahme für das Achsenkreuz ist ein ca. 10cm hoher Zylinder mit mindestens 1 cm Wandstärke und etwa 15cm Durchmesser. Dieser ist auf dem Stativ mit dicken Schweißnähten befestigt.
Außer den Schrauben und Bolzen besteht die ganze Konstruktion, wie der Rest der Montierung auch, aus Aluminium (7075). Die Einzelteile sind CNC-Gefräst und die dadurch entstehenden spitzen Kanten wurden abgeschliffen, um Verletzungen vorzubeugen.

Die GM-8 im Detial, die Arbeitsplatte ist Eigenbau
 Die Ablageplatte ist ein Eigenbau,
hinter der Steuerung meine Selbstbau-Helligkeitsregelung für die Polsucher-LED

Auf der großen Aufnahme für die Montierung findet diese eine sehr gute Auflagefläche. Damit die drei robusten Befestigungsschrauben nicht jedesmal ganz herausgedreht werden müssen, sind die Löcher im Stativ L-förmig. Die Schrauben werden nur etwas gelöst, die Montierung wird gedreht und kann dann nach oben herausgenommen werden - ein Schnellverschluß ohne Einbussen an Stabilität.
Die Montierung selbst ist ein Musterstück an Qualität und Verarbeitung. Plastik muß gesucht werden. Ich fand lediglich:
- untere Abdeckkappe des Polsuchers
- 2 Knebel zum feststellen der Azimutbewegung (darunter Metallschrauben).
- Gummihüllen der beiden Motoren
- Knöpfe und Stecker der Steuerung
- die Handkontrollbox
- die Libellen zum austarieren der Montierung

Damit hat sich der sichtbare Vorrat der Montierung an Kunststoff erschöpft. Um es nochmal im Detail zu erwähnen: Die obere, geschraubte Abdeckung für die Pol-(Sucher)-Achse, die Polhöhenverstellung, die Azimutverstellung, das Elektronikgehäuse, die Feststellschraube der Teleskopaufnahme, all dies ist aus massivem Aluminium gefertigt. Selbst die Schutzkappe der Polsucheraufnahme, die ich gegen den Polsucher ausgetauscht habe, ist eine sauber gedrehte, schwarz eloxierte Aluminiumkappe mit Innengewinde. Und auch am Rest der Montierung sind alle offenliegenden Kanten abgeschliffen.
Die Montierung selbst hat viele Gemeinsamkeiten mit der größeren G-11 Montierung. Polblock und Lager sind soweit sichtbar identisch. Auch der Polsucher ist baugleich. Die G-11 verwendet allerdings Stahlachsen statt Aluminium.
Als Verbesserung gegenüber früheren Jahrgängen der GM-8 ist die Polhöhe mit zwei zusätzlichen Schrauben fixierbar. Dies behebt den Umstand, daß die früheren Polhöhenwiegen bei Belastung mit dem Teleskop nachgaben und die Poljustage in Höhe korrigiert werden musste. Anstatt einer Dosenlibelle sind zwei um 90° versetzte und angenehm große Einzellibellen eingebaut. Die Azimutverstellung erlaubt eine Korrektur von bis zu 8,5 Grad in beiden Richtungen, die Polhöhe ist von 0° bis 64° einstellbar. Norwegen-Fans können einen Adapter erwerben, der eine Einstellung bis zu 84° Polhöhe ermöglicht.
Die Strichscheibe des Polsucherfadenkreuz ist indirekt beleuchtet, wodurch im Dunkeln nur die Linien leuchten, nicht aber der gesamte Hintergrund. Der Polsucher wird in seiner Aufnahme gedreht, wobei zur Orientierung die Richtungen der Sternbilder Cassiopeia und Großer Wagen angegeben sind. Nach dieser Grobausrichtung müssen nun Polaris und ein benachbarter Stern mit den markierten Positionen übereingebracht werden. Auch für den Himmelssüdpol finden sich entsprechende Sterne des Sternbild Octans. Hilflinien zeigen die Verschiebung des Polarsterns für die Jahre 1990, 2000 und 2010. Diese Poljustage mit zwei Sternen ist wirklich sehr genau und kommt auch ohne die umständliche Rechnerei mit Datum, Uhrzeit und Ortszeitkorrektur aus. Zu meiner Freude ließ sich der Polsucher sogar auf meine -4,25 Dioptrien fokussieren. Einzig vermißt habe ich eine Helligkeitsregelung für die Beleuchtung.
Zwei angenehm große Teilkreise zieren die Achsen in Rektaszension und Deklination. Die Einteilung beträgt 6 Min. bzw. 2°. Während der Deklinationskreis notwendigerweise fest sitzt, sich aber eichen läßt, ist der RA-Kreis schon etwas besonderes:
Bei Lieferung ist dieser Teilkreis gegen einen leichten Widerstand drehbar und kann mit Hilfe eines Referenzsterns geeicht werden. Sollte der Teilkreis zu lose, oder zu fest sitzen, so läßt sich dies mit einer Madenschraube korrigieren. Der Clou ist aber nun, daß dieser Teilkreis ebenfalls vom RA-Motor nachgeführt wird. Abgesehen von Positionskorrekturen mit der Handsteuerbox folgt der RA-Kreis bei laufender Nachführung also der Erdrotation und zeigt ständig den richtigen Wert.
Die beiden Achsen der Montierung werden über Rutschkupplungen angezogen. Diese werden über Drehknöpfe an den Achsen auf den gewünschten Widerstand eingestellt, so daß das Teleskop bewegt werden kann, ohne die Kupplungen zu verstellen. Natürlich ist dazu eine gute Balance in beiden Achsen nötig. Bei gelösten Kupplungen drehen sich beide Achsen sehr sauber und ohne jedes Spiel oder wackeln.
Die Teleskopaufnahme ist eine ca. 6 cm Breite Schwalbenschwanzführung die mit einer griffig großen Schraube festgezogen wird. Die Schraube greift nicht direkt auf den Schwalbenschwanz, sondern drückt einen ca. 5cm langen Block auf die Montageschiene oder -Platte, die dadurch nicht verkratzt oder eingedrückt wird. Dies ist besonders von Vorteil, denn dadurch kann der Tubus mit zwei Griffen wieder in die Balance gebracht werden, wenn von einem schweren auf ein leichtes Okular gewechselt wurde. Der Tubus wird mitsamt der Platte oder Schiene einfach ein wenig verschoben.

Das Achsenkreuz im Detail 

Die Motorsteuerung der GM-8 ist ebenfalls eine gut durchdachte Sache. Sie unterteilt sich in eine Handsteuerbox und die eigentliche Steuerung in einer fest am Stativ angeschraubten Konsole. Dadurch führt von der Handsteuerbox lediglich ein Kabel zur Konsole, die von den Schwenkungen des Teleskops unbeeinflußt bleibt. Verdrehte und verknotete Kabel, die sich noch dazu um Stativbeine schlingen sind so ausgeschlossen.
Die meisten Einstellungen lassen sich an der Konsole vornehmen. Zu allererst wird hier die Korrekturgeschwindigkeit eingestellt. Es stehen 0,3-fach, 0,5-fach, 2-fach, 4-fach, 8-fach und 16-fach zur Verfügung. Damit aber für Grobkorrekturen nicht erst zur Konsole gegriffen werden muß, steht an der Handbox über eine Tastenkombination 32-fache Geschwindigkeit zur Verfügung.
Vier Nachführgeschwindigkeiten lassen sich wählen: Siderisch (normal), King, Mond und Sonne. Während sich die Nachführgeschwindigkeiten für Mond und Sonne von selbst erklären, soll die King-Rate die Refraktion der Erdatmosphäre in Horizontnähe ausgleichen. Leider lässt sich die Anleitung nicht darüber aus, woher die Steuerung erfährt, wie nahe am Horizont gerade beobachtet wird. Möglicherweise ist diese Option nur mit dem nachrüstbaren GoTo-System sinnvoll.
Außerdem bietet die Steuerung einen Ausgleich des periodischen Schneckenfehlers an. Ist diese Option aktiviert, so verfolgt die Steuerung für eine Schneckenumdrehung lang (ca.8 Minuten) die manuelle Korrektur des Benutzers. Danach werden diese Korrekturen mit jeder Umdrehung der Schnecke automatisch wiederholt, was bei sorgfältiger Bedienung eine spürbare Entlastung des Fotografen bewirkt. Ein weiteres Schmankerl: Während der Nachführung in diesem Betriebsmodus ist die Schnellkorrektur über die Handsteuerbox gesperrt, damit nicht durch einen falschen Knopfdruck die Aufnahme zerstört wird.
Abgerundet wird der Funktionsumfang durch einen Getriebespielausgleich in Deklination und einstellbare Helligkeit der LED-Anzeigen bis hin zum aus.
Weiterhin bietet die Konsole die Möglichkeit zum Anschluß eines SBIG Autoguiders und einen durchgeschleiften 12-Volt-Anschluß, über den sich weiteres Zubehör betreiben läßt. Die Laufrichtung der Motoren lässt sich von Nordhimmel auf Südhimmel umschalten, entweder fest mit einem DIP-Schalter im Innern des Gehäuses, oder durch festhalten einer RA-Steuertaste bei jedem Einschalten der Montierung. Wer nur einige Tage in den Süden verreist, der kann sich also das Öffnen des Gehäuses ersparen.
Die Handsteuerbox ist angenehm handlich und bietet neben den vier genügend großen Tastern zur Korrektur 2 Schalter zum Umkehren der Steuerrichtung der beiden Achsen.

Die Montierung verkraftet auch für fotografische Zwecke meinen 8 Zoll F/4 Newton (R200SS) zusammen mit der als Leitrohr aufgesetzten Russentonne MTO 10/1000. Auch unter diese Belastung zeigt die GM-8 beim Scharfstellen kein schnelles Zittern, so daß das Fokussieren sehr schön möglich ist. Langsame Schwingungen bleiben natürlich. Für fotografische Zwecke muß noch erwähnt werden, daß eine Schneckenumdrehung 8 Minuten dauert. Erst nach dieser Zeit greift also die Fehlerkorrektur der Steuerung. Bei meinem fotografisch schnellen F/4 Newton kann ich unter "alltäglichen" 5,5mag visuell nur 7 Minuten belichten. Dies relativiert sich natürlich, denn eine 10 Minütige Aufnahme strengt zum einen beim Nachführen ja noch nicht wirklich an, zum anderen kommt man ja schon mit F/6 Instrumenten oder unter hochalpinen Bedingungen zu deutlich längeren Belichtungszeiten.
Während die Montierung mit meinem 8 Zoll Newton belastet war, brauchte ich eine 7 minütige Belichtung mit 135mm Tele und Blende 3,5 nicht nachzuführen. Ich ließ die Montierung "einfach laufen", erhielt aber absolut punktförmige Sternabbildungen, obwohl die Poljustage ohne besondere Aufmerksamkeit erfolgt war.

M11 und Milchstrasse
M11 und Scutum-Wolke 7 min. mit 135mm Nikkor (m. Blende 3,5) und mieser Kratzer (Danke, Fuji!)

Vergrösserung der Bildecke
Die Ecke unten Links: Gute Gm-8, gutes Nikkor!

Fazit:
Die Gm-8 ist eine hervorragend durchdachte und qualitativ äusserst hochwertige Montierung. Fotografisch kann sie bedenkenlos zum Beispiel mit 8 Zoll Schmidt-Cassegrain Teleskopen und kurzbrennweitigen 8 Zoll Newton-Teleskopen ausgestattet werden.
Wird ein Off-Axis-Guider eingesetzt, oder das Leitrohr an der Gegengewichtsstange befestigt, so lässt sich auch noch etwas mehr Öffnung fotografisch ausnutzen.
Visuell trägt die Montierung noch deutlich mehr, hier stellt ein 10 Zoll Schmitt-Cassegrain eine vernünftige oberste Grenze dar. Entwickelt wurde die Gm-8 übrigens für die Kombination "CG-9", also in der heute nicht mehr direkt erhältlichen Kombination mit dem Celestron 9,25.
Die Montierung ist in ihrer Handhabung sehr komfortabel und sowohl mit GoTo, als auch mit digitalen Teilkreisen nachrüstbar. Insbesondere für den Astrofotografen bietet sie eine ideale Basis.

Zurück zu Getestet