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TS Planetary HR
Günstige Planetenokulare mit interessanten Eigenschaften

Die Planetary HR Okulare von Teleskop-Service gehen offenbar auf ein Okulardesign zurück, das von TMB/Burgess Ende 2005 vorgestellt wurde. Wie heute üblich, werden in China produzierte Optiken bald unter verschiedenen Marken und Ausprägungen vertrieben.
Das Okular richtet sich in erster Linie an den Planetenbeobachter, wie der Name schon sagt, allerdings mit einem 60° großen scheinbaren Gesichtsfeld wird durchaus auch der Deepsky-Beobachter angesprochen. Ein komfortabler Augenabstand von 16mm bei allen Brennweiten erinnert von den Eckdaten her an TeleVue’s Radian Okulare (nominell 20mm Augenabstand). Dazu passen auch weitere Details wie Bauform und verstellbare Augenhülse. Beworben wurde die Konstruktion vor allem durch Aussagen des Optikdesigners (T.M. Back), wonach das sechslinsige Design selbst bei Optiken schneller als f/4 auf der Achse beugungsbegrenzt sein soll.
Dementsprechend groß war natürlich auch das Interesse an diesen Okularen. Anfang 2007 erhielt ich vier Okulare der Planetary HR Reihe zum Test.
Zu diesem Zeitpunkt hatte das Okular bereits eine Vorgeschichte. Sorge galt vor allem der Verarbeitungsqualität der in China hergestellten Okulare, insbesondere die Innenschwärzung und Streulichtunterdrückung wurde bei einigen Exemplaren der ersten Serien von Burgess bemängelt.
Die Planetary HR gibt es mit den Brennweiten 2,5mm, 4mm, 5mm, 6mm, 7mm, 8mm und 9mm. Bei meinen Beobachtungen kamen die Brennweiten 4mm, 5mm und 7mm zum Einsatz. Als viertes Okular war ein weiteres 7mm am Bino im Einsatz. Interessant ist, dass von TMB/Burgess auch die Brennweite 3,2mm erhältlich ist, insbesondere weil es im Brennweitenbereich unter 5mm ohnehin nur recht wenig Auswahl gibt.
Rein äußerlich sind die Okulare wesentlich ansprechender, als man es bisher von chinesischen Produkten gewohnt war. Die eloxierten Flächen sind so widerstandsfähig und sauber, wie man es eigentlich nur von teureren Okularen kannte. Eine griffige Gummiarmierung und die Gummiaugenmuschel sind heute Standard. Ein kleiner Pluspunkt ist die groß aufgedruckte Brennweite – im Dunkeln gut erkennbar. Die Sicherungsnut in der Steckhülse ist, wie bei chinesischen Produkten üblich, unnötig tief eingeschnitten. Probleme mit Klemmringen sind da vorprogrammiert. Es scheint nicht recht in die Köpfe fernöstlicher Konstrukteure zu wollen, dass eine nur drei Zehntelmillimeter tiefe Nut völlig ausreichen würde. Die Okulare sind recht kompakt, zwischen 95mm (4mm) und 80mm (7mm) lang bei 45mm Durchmesser. Auf der Waage präsentieren sie sich mit 160g (7mm) bis 175g (4mm) als Leichtgewichte.

Die Augenlinse ist bei allen Brennweiten recht groß, was bei Weitwinkel-Okularen mit gutem Augenabstand üblich ist. Brillenträger können das volle Gesichtsfeld problemlos überblicken, wenn die Gummiaugenmuschel umgeklappt ist. Das Profil der Augenmuschel schützt dabei die Brille wirksam vor Kratzern. Die einstellbare Augenhülse muss dabei weit heruntergeschraubt werden, es bleibt aber noch genügend Spielraum. Ich selbst hatte mit dem 4mm bei einer um etwa 2mm herausgedrehten Augenhülse den besten Einblick mit Brille. Weniger Abstand machte sich durch eine leichte Neigung zum Kidney-Beaning bemerkbar. Ab 4mm musste ich die Brille stärker aufdrücken, um das Gesichtsfeld noch voll zu überblicken. Ohne Brille und mit ausgeklappter Augenmuschel kann man die Augenhülse etwa 8mm weit anheben, ehe das Gesichtsfeld nicht mehr voll zu überblicken ist. Der Verstellbereich bis zu etwa 15mm ist dagegen übertrieben, stört aber auch nicht. Was hingegen stört, ist ein Fettfilm, der unter dem Rand der Augenhülse hervorkommt und in den man beim Okularwechsel durchaus mal mit den Fingern hineingeraten kann. Das leichte Kratzen der Hülse beim Verstellen deutet an, was das Fett kaschieren soll – die Hülse verstellt sich in dem derart gefetteten Gewinde natürlich „satt“, ich persönlich aber mag im Umgang mit Optik keine Fettfinger und hätte deshalb an dieser Stelle lieber kein Fett gesehen. Da das Gewinde auch nicht sichtbar wird, hätte sich dieser störende Fettfilm wohl vermeiden lassen, wenn man sparsamer mit dem Schmierstoff umgegangen wäre. Während alle vier Okulare den störenden Fettfilm unter der Hülse hatten, war er aber stark unterschiedlich ausgeprägt, je nach Pinselstrich des jeweiligen Arbeiters. Ein weiteres Feature verbirgt sich unter der Augenmuschel, die man komplett abziehen kann. In die darunter liegende Nut kann ein Adapterring mit T2-Außengewinde zum Anschluss von Kameras geklemmt werden. Dadurch eignen sich die Planetary HR auch für die afokale Projektion.
Der Blick auf die Feldlinse ist recht erbaulich. Die Filtergewinde sind gut geschwärzt. Die Linsenfassung aber ist aus schwarz eloxiertem Aluminium, was durchaus nicht optimal ist, da hier Reflexe entstehen können. Linsenfassungen mit schwarzem Mattlack scheinen immer noch den Okularen aus deutlich höheren Preisklassen vorbehalten zu sein.


Das Material um die Feldlinsen herum ist nur schwarz eloxiert und nicht matt lackiert.

Der Blick auf die Linsen zeigt grüne Breitband-Mehrschichtvergütungen auf allen erkennbaren Flächen. Streulicht von Linsenkanten ist nicht erkennbar, blickt man aber mit etwas Abstand ins Okular erkennt man glänzende, glatte Innenwände, offenbar nur eloxiertes und nicht geschwärztes Aluminium. Steckt das Okular jedoch im Teleskop, ist beim Blick gegen einen bewölkten Himmel davon nichts mehr zu sehen – die Flächen liegen also außerhalb des Strahlengangs.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Okular äußerlich schon etwas mehr hermacht, als man es von anderen Okularen dieser Preisklasse gewohnt ist. Rein funktionell betrachtet erhält man aber nicht mehr, als sonst auch üblich ist. Ganz konkret sind das die kleinen Mängel wie die ungeschwärzten Linsenfassungen und das störende Fett der Augenhülse.


Im Bild schlecht sichtbar kommt unter der verstellbaren Hülse störendes Fett zum Vorschein.

Bei den Beobachtungen kamen die Okulare hauptsächlich an schnellen f/4 Optiken zum Einsatz, und zwar: Ein Vixen R200SS und ein TS/Orion 300/1200 Leichtbau-Newton, die sowohl mit als auch ohne Komakorrektor des R200SS verwendet wurden. Am Bino kamen die beiden 7mm hinter einem Siebert OCA 1,3x Glaswegkorrektor in einem Baader Maxbright, wiederum am TS 300/1200 zum Einsatz. Der Komakorrektor lässt sich nicht mit dem OCA kombinieren. Weitere, kurze Einsätze gab es an einem 8“ f/5 GSO Newton, an einem 8“ f/4,5 ATM-Newton und an einem 127mm Travelmak von Skywatcher, für den aber 7mm Brennweite schon reichlich viel Vergrößerung ergaben (f/11).
An den schnellen f/4 Optiken war zusammen mit dem Komakorrektor die Sternabbildung bis zum Rand des Gesichtsfeldes gut, wie ein kritischer Blick auf h & c Persei zeigte. An den helleren Haufenmitgliedern zeigte sich zum Bildrand hin eine leichte Vergrößerung, an schwächeren Sternen war davon nichts zu bemerken. Ohne den Komakorrektor verschlechterte sich die Abbildung zum Rand hin etwas, aber nicht wesentlich. Das 5mm ließ bei diesem Test eine leichte Aufhellung des Himmelshintergrundes am Rand des Gesichtsfeldes erkennen. Bei 7mm und 4mm war ein solcher Effekt unter durchschnittlichen Bedingungen nur ganz schwach bemerkbar.
Besonderes Augenmerk galt der Frage, ob es zu Reflexen kommt, wenn helle Objekte im Bild oder etwas außerhalb sind. Dies war bei den ähnlich aufgebauten TMB/Burgess-Okularen ein bekanntes Problem. Dazu bot sich eine interessante Beobachtung der Mondoberfläche im aschgrauen Mondlicht bei sehr schmaler Sichel an. Dabei konnte ich keine Reflexe ausmachen und Strukturen wie Tycho und Grimaldi waren gut erkennbar. Auch bei der Verfolgung eines Satelliten, der vom Terminator kommend vor der dunklen Mondoberfläche vorbeizog, konnte ich keine Reflexe feststellen. Kommt der Terminator ins Bild, nimmt das Streulicht zu, was aber in der Hauptsache durch die Erdatmosphäre bedingt ist.
Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Venusbeobachtung einige Tage zuvor. Störende Reflexe fanden sich keine, nur wenn Venus vom Feldblendenrand halbiert wurde, gab es einen Effekt, den ich am ehesten mit „tanzenden Fünkchen“ im Bild beschreiben könnte. Diese kleinen, punktuellen und beweglichen Aufhellungen waren über das Bild verteilt und recht schwach, an der Grenze zur indirekten Wahrnehmung, während Venus mit –4,1 mag kurz vor ihrem größten Glanz war. Der deutlich dunklere Saturn dagegen erzeugte auf diese Weise keine wahrnehmbaren Reflexe.


Die schwachen Reflexe durch die nur eloxierte Linsenfassung sind kaum zu bemerken.

Am Bino-Ansatz ließen sich die beiden 7mm in der beschriebenen Kombination gut einsetzen. Der Einblick war angenehm und bei richtiger Einstellung desr Augenhülse gab es auch keine Probleme mit Kidney-Beaning. Durch die schlanke Bauform gab es überhaupt keine Probleme mit der Einstellung des Abstandes zwischen den Okularen. Insgesamt war ein sehr entspanntes Beobachten möglich.
Die Jupiter-Beobachtung bot durch dessen südliche Deklination nur bescheidene Möglichkeiten. Die Okulare zeigten sich bei dieser Gelegenheit aber als angenehm Farbneutral. Ein Farbstich war nicht zu bemerken.

Schließlich sollte noch in bescheidenem Rahmen die Transmission überprüft werden. Damit die Sternabbildung nicht flächig wurde, sei es durch Seeing oder durch die Erkennbarkeit der Airy-Scheibchen bei hoher Vergrößerung, wählte ich hierzu nur das 7mm aus. Es musste sich am 12” f/4 einem 7mm Nagler Typ 1 stellen, das aus 7 Linsen in 4 Gruppen  aufgebaut ist. Über die Planetary HR war offiziell lediglich die Anzahl von 6 Linsen festzustellen. Anhand der Reflexe lässt sich schwer sagen, aus wie viel Grupppen es aufgebaut ist. Vermutlich sind es vier, denn es lässt sich erkennen, dass das Negativ-Element („die Barlow“) aus zwei Linsen aufgebaut ist. Ein farbloser Reflex im oberen Okularteil spricht dafür, dass die verbleibenden 4 Linsen mindestens zu 3 Gruppen zusammengefasst sind. Ausgehend von 6 Linsen in 4 Gruppen sollte das 7mm Planetary sich also gut mit dem 7mm Nagler Typ 1 messen können.
Die Beobachtung sah zunächst auch danach aus, doch fand sich im Sternfeld des Katzenaugen-Nebels (NGC 6543) ein sehr schwacher Stern, der indirekt zeitweise mit dem Nagler zu sehen war, sich aber nicht halten ließ. Trotz mehrerer Versuche mit dazwischenliegenden Entspannungspausen war der Stern mit dem 7mm Planetary nicht auszumachen. Es handelt sich definitiv um eine Grenzwahrnehmung und somit um einen geringen Unterschied. Allerdings ist das 7mm Nagler Typ 1 sicherlich nicht mehr up to date, da es seit einigen Jahren nicht mehr hergestellt wird. Es handelte sich übrigens um die letzte Version des 7mm Typ 1, also bereits mit Gummi-Augenmuschel.

Fazit: Die TS Planetary HR erweisen sich als solide Planetenokulare zu moderatem Preis. Besonders überzeugend ist das Optikdesign, was bemerkenswert gut an schnellen Optiken funktioniert. Die Verarbeitung der Optik entspricht den Standards der Preisklasse, während das äußerliche Design etwas ansprechender ist. So interessant der Trend zur einstellbaren Augenhülse ist, so problembehaftet ist dieses Merkmal noch bei Okularen aus chinesischer Produktion: Ärger mit austretendem Fett kennt man auch von aktuellen Meade-Okularen.  
Die tief eingeschnittene Sicherungsnut und die nicht perfekte Schwärzung im Bereich der Feldlinsenfassung sind ebenfalls Merkmale, die nicht sonderlich überraschen. Der Transmissionsvergleich zum selbst gebraucht deutlich teureren Nagler sollte erwähnt, aber nicht überbewertet werden. Mit diesen kleinen Nachteilen kann man sich definitiv arrangieren, und wer dazu bereit ist, der erhält ein optisch hochinteressantes Okular, das dem Anspruch “Planetenokular” an schnellen Optiken auf jeden Fall gerecht wird. An Optiken mit moderateren Öffnungsverhältnissen kann das Okular durch den angenehmen Einblick und bequemen Augenabstand eine Alternative zu Planetenspezialisten mit wenig Linsen sein, da diese Okulare praktisch immer einen sehr knappen Augenabstand haben. Aus dem gleichen Grund empfiehlt es sich auch für den Einsatz am Bino.

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