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Der Seben CLR-Filter

In den letzten Jahren sind Interferenz-Nebelfilter zu einem weit verbreiteten Zubehörteil für Sternfreunde geworden, und das obwohl diese Filter gegenüber normalen Farbfiltern relativ teuer sind. Der Seben CLR-Filter ist relativ neu am Markt und für einen erstaunlich günstigen Preis erhältlich.
Beim Seben CLR handelt es sich um einen Verwandten des Lumicon Deepsky, einen sogenannten Breitband Filter. Er dient zur Kontrastverbesserung bei Deepsky-Objekten, was heutzutage aufgrund des Überhand nehmenden Streulichts der Städte dringend nötig ist. Gerade dieses Streulicht beschreibt die Idee, nach der ein solcher Breitband-Filter funktioniert, am besten. Die Entwickler von Filtern dieser Klasse haben es sich zum Ziel gesetzt, gerade solche Farben bzw. Lichtwellenlängen abzublocken, in denen das Streulicht der Städte sehr intensiv ist. Das ist zum Beispiel der gelbliche Schein von Natriumdampf-Lampen, aber es sind auch die blauvioletten Farbanteile von Quecksilberdampf- und Neonröhren, die deren Licht die kühle, bläulichweiße Tönung geben. Ungehindert soll der Filter dahingegen die speziellen Lichtwellenlängen passieren lassen, die Emissionsnebel aussenden. Sie finden sich im tiefen Rot und im Bereich grüner bis türkiser Farbtöne. Gegenüber anderen Nebelfiltern haben diese Breitband-Filter einen recht breiten Durchlaßbereich, was schon im Wort “Breitband” klar wird. Nur ganz bestimmte Bereiche des Farbspektrums werden geblockt. Das Resultat ist ein Filter, der den Himmelshintergrund nicht besonders stark abdunkelt, aber auch keine besonders starke Einfärbung des Sternenlichts verursacht. Im Gegensatz zum Breitbandfilter färbt ein OIII oder UHC hellere Sterne giftgrün und durch die kräftigere Filterwirkung werden schwächere Sterne unsichtbar, weil deren Licht zu stark verschluckt wird.


Emissionsnebel senden ihr Licht nur auf ganz bestimmten Linien aus.
Nebelfilter lassen nur die kräftigsten passieren, um Streulicht auszusperren.

Die Anwendungsgebiete des Seben CLR sind damit recht vielseitig, bedürfen aber einer genaueren Betrachtung. Die Filterwirkung zeigt sich am besten bei der Beobachtung von sogenannten Emissionsnebeln, also planetarischen Nebeln, Supernova-Überresten und H2-Regionen.  Da der Filter aber neben den speziellen Emissionslinien, das sind die speziellen Farben in denen ein solcher Nebel Licht aussendet, noch jede Menge anderer Farben passieren lässt, ist seine Wirkung gegenüber Schmalbandfiltern wie UHC und OIII vergleichsweise gering, weil noch viel Streulicht den Filter passieren kann. Gleichzeitig aber kann auch das Licht der Sterne den Filter besser passieren. Daher eignet sich ein solcher Filter besonders für den reizvollen Anblick von Sternhaufen, die in einen Nebel eingebettet sind. Klassische Beispiele sind der Orionnebel aber auch der Lagunennebel. Die in diesen Nebeln enthaltenen Sterne bestrahlen die Reste des Gases, aus dem sie entstanden sind, mit harter UV-Strahlung. Die UV-Strahlung regt dann das Gas des Nebels zum Leuchten an.  Im Gegensatz dazu gibt es eine weitere Klasse von Nebeln, die Reflexionsnebel. Die Plejaden, ein junger Sternhaufen, sind umgeben von einem bläulichen Reflexionsnebel. Dieser Nebel leuchtet hauptsächlich deshalb, weil er das Licht der nahen Sterne reflektiert. Das Licht eines solchen Reflexionsnebels würde von schmalbandigen Filtern genauso ausgefiltert wie das Licht der Sterne - der Nebel würde unsichtbar. Auch hier gibt es einen interessanten Ansatz für die Breitbandfilter. Sie filtern nur die am stärksten von Streulicht betroffenen Farben aus, so daß gerade solche Farben durchgelassen werden, in denen sich schwache Reflexionsnebel noch am ehesten gegen das Streulicht durchsetzen können. Breitbandfilter können deshalb eine schwache, positive Wirkung an Reflexionsnebeln, Galaxien und Sternhaufen zeigen, allerdings nur unter einem bereits recht dunklem Himmel. In Stadtnähe hingegen ist das Streulicht so stark und dominierend, dass die Filterwirkung bei weitem nicht ausreicht. Die Objekte gehen im Streulicht unter.
Die recht sanfte Filterwirkung ist auch für Besitzer eher kleiner Teleskope von Vorteil. Der Filter kann etwa bis zu einer Vergrößerung, die der Teleskopöffnung in Millimetern entspricht, verwendet werden. Darüber hinaus wird das Bild zu dunkel. Ein OIII-Filter dagegen schluckt so viel Licht, dass bei den meisten Objekten nur halb so stark vergrößert werden kann.
Ein weiterer Verwendungszweck dieser Filterklasse ist die Deepsky-Fotografie, wobei die Filter den Himmelshintergrund dämpfen aber möglichst keine zu starke Verfärbung der Sterne bewirken sollen.

Der erstaunlich preisgünstige Seben CLR wird in einer mit Schaumstoff gepolsterten Kunststoffdose geliefert. Der Grund, weshalb ich das Testexemplar von einem Sternfreund als Geschenk erhielt, soll auch nicht verschwiegen werden: Das Gewinde der Filterfassung ist “verunglückt” und der Filter lässt sich kaum eine Viertelumdrehung weit in ein normales Gewinde einschrauben, egal welches Okular als Gegenstück gewählt wird. Warum das so ist, lässt sich schlecht sagen, denn der Gewindegang sieht gleichmässig aus. Immerhin ist dies offenbar nur ein Einzelfall. Trotzdem musste die Qualitätsfrage noch in einem anderen Punkt gestellt werden. Das Seben Farbfilterset fiel seinerzeit durch Kantenfehler der Filtergläser auf. Um solche groben Fehler erkennen zu können, musste der Filter den Karomuster-Test bestehen, das heißt er wurde in 20cm Abstand vor einem ausgedruckten Karomuster aus wiederum ca. 20cm Kamera-Abstand fotografiert. Als Referenz diente ein Baader Skyglow und ein Meade Breitband, ebenfalls ein Metall-Interferenzfilter aus derselben Filterklasse wie der CLR. Mit dem Ergebnis kann man zufrieden sein, keiner der drei Filter zeigte bei diesem Vergleich Auffälligkeiten.


Keine Auffälligkeiten am Rand des Filterglases.
Die etwas ungleichmässige Färbung entstand durch ein schwaches Spiegelbild des Kameragehäuses im Filterglas.

Der Vergleich der beiden Breitbandfilter Seben CLR und Meade Broadband Nebular zeigt allerdings auch, daß beide Filter das Licht recht unterschiedlich färben, obwohl sie im Prinzip derselben Filterklasse angehören. Es handelt sich schlicht um etwas andere Durchlaßfenster, ganz normale Unterschiede die zwischen den diversen Breitbandfiltern der unterschiedlichen Hersteller üblich sind.
Nicht ganz normal ist allerdings bei näherer Betrachtung die Transmissionskurve des Seben CLR. Sie hat zwar die typische Charakteristik eines Breitband-Filters mit einem Durchlaßfenster im Grünen, starker Blockung im Gelben und schließlich wieder einem Durchlaß im roten Bereich, aber bei genauer Betrachtung scheint die Kurve des CLR etwas gegenüber dem Optimum verschoben. Für die visuelle Beobachtung sind die Emissionslinien von Wasserstoff und Sauerstoff bei 486nm, 496nm und 501nm die wichtigsten. Das Durchlaßfenster des CLR in diesem Bereich ist nun, wie in der Kurve sichtbar, etwas nach rechts verschoben, so daß nur etwa 32% der Hß-Linie (“H-Beta”) den Filter passieren können. Die beiden [OIII]-Linien (“O-Drei”) des Sauerstoffs liegen allerdings im optimalen Transmissionsbereich mit etwa 89%. Einen ähnlichen Effekt sieht man bei der fotografisch wichtigen H-Alpha-Linie. Auch hier liegt der optimale Filterdurchlass etwas Rechts der eigentlichen Linie, so daß zwar noch 92% Transmission erreicht werden, der beste Bereich mit 95% Transmission aber ein Stück daneben liegt. Visuell ist dies nicht von Belang, weil das dunkeladaptierte Auge so tiefrotes Licht praktisch nicht mehr erkennen kann. Trotzdem sieht es so aus, also wäre hier, vielleicht durch Produktionstoleranzen, das Optimum knapp verpasst worden.

Was der CLR Filter nun wirklich leistet, sollte sich in der Praxis im Vergleich zum Meade Breitband zeigen. Die Filter kamen unter leicht aufgehelltem Landhimmel bei etwa 5,5mag an zenitnahen Objekten zum Einsatz. Am östlichen Teil des Zirrus-Nebels (NGC 6992-6995) zeigte sich bei 5,5mm AP der Meade Breitband dem Seben CLR leicht überlegen. Der Himmelshintergrund wurde bei beiden Filtern spürbar dunkler, aber nicht völlig schwarz. Der Nebel, der unter diesen Bedingungen ohne Filter nur erahnbar war, wurde so leicht erkennbar und zeigte bei 12” Öffnung schöne Strukturen, die sich im Meade Breitband auch etwas deutlicher abhoben.
Der westliche Teil des Zirrus-Nebels (NGC 6960) mit dem recht hellen Stern 52 Cygni zeigte hingegen ein anderes Bild. Hier war der Nebel mit dem Seben-Filter um Nuancen besser erkennbar. Der CLR färbte den hellen Stern grasgrün, während der Meade Breitband ihn etwas neutraler zeigte. Beide Filter zeigten einen schwachen Halo um den Stern, der beim Meade Breitband deutlich kräftiger ausfiel und so die Erkennbarkeit des Nebels etwas beeinträchtigte.
An NGC 1501, einem planetarischen Nebel mit eher geringer Flächenhelligkeit, war ebenfalls der CLR um Nuancen gegenüber dem Meade Breitband im Vorteil.  Hier wurde mit 1,25mm, 2mm und 4mm AP beobachtet. An diesem speziellen Objekt konnten übrigens die Breitbandfilter sogar gegenüber einem Astronomik OIII überzeugen, was an einem planetarischen Nebel ungewöhnlich ist. Ein UHC lag aber mindestens gleichauf und sorgte für einen etwas dunkleren Himmelshintergrund.


Seben CLR und Meade Broadband im Vergleich.
Da die Kurven aus unterschiedlichen Messungen stammen, endet die des Meade-Broadband bereits bei 900nm. Visuell ist das nicht mehr relevant.

Der Vergleich der Filterkurven von Meade Breitband und Seben CLR kann das Verhalten der Filter erklären. Der Meade Breitband hat im visuell interessanten Bereich zwischen 450nm und 510nm ein breiteres Durchlassfenster, welches etwas mehr Streulicht passieren lässt, dafür aber auch das Licht der Hß-Linie kaum behindert. Dies ist beim Ost-Teil des Zirrusnebel von Vorteil, da dieser Bereich eine stärkere Hß-Emission zeigt, als der West-Teil desselben Nebels. Der Seben CLR hingegen hat in diesem Bereich ein engeres Durchlaßfenster, das leider recht ungünstig liegt. So wird unnötigerweise die Hß-Linie fast “abgewürgt”, während die Streulichtunterdrückung durch das engere Fenster etwas kräftiger ausfällt. Die Betrachtung der Kurven zeigt weiterhin, daß der Meade Breitband deutlich steilere Flanken hat, während beim Seben CLR die Kurven rundlicher sind und etwas “ausschwingen”. Steilere Flanken sind mit höherem Aufwand bei der Filterbeschichtung verbunden.

Fazit:

Trotz des erstaunlich günstigen Preises ist der Seben CLR im visuellen Einsatz ein durchaus vollwertiger Deepsky-Filter. Die Leistung bewegt sich im Rahmen dessen, was man von anderen Filtern dieser Klasse kennt. Beachtet man den günstigen Preis, so kann man den Seben CLR für visuelle Beobachtungen uneingeschränkt empfehlen. Interessant ist er vor allem für Besitzer kleinerer Teleskope, während er an Geräten ab 150mm Öffnung eher als spätere Ergänzung zu OIII und UHC zu sehen ist. In beiden Fällen steht auch der Preis in einem guten Verhältnis zum Nutzen. Die Bewerbung des Herstellers, Nebelbeobachtungen aus der Stadt heraus zu ermöglichen, erfüllt der Filter jedoch nur mangelhaft. Hier sind UHC und OIII schlicht die bessere Wahl.

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