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Okularqualitäten
aus Sicht des Einsteigers

Die schier unübersehbare Auswahl an verschiedenen Okularen ist für den Einsteiger nur schwer zu überblicken. Um die verschiedenen Produkte aber wenigstens grob den verschiedenen Qualitätsklassen zuordnen zu können, soll dieser kurze Überblick helfen.

1. “Plastikokulare”

Okulare dieser Klasse sind kaum einzeln erhältlich. Man findet sie beigelegt zu günstigen Teleskoppaketen, die zum Beispiel in Supermärkten verkauft werden. Es handelt sich um die absolut unterste Kategorie. Nicht nur die Gehäuse sind vollständig aus Kunststoff, sondern auch die Linsen sind in vielen Fällen aus Plastik gepresst. Vielleicht findet sich auch mal eine Steckhülse, die nicht nur chromglänzend, sondern wirklich aus Metall ist. Natürlich kann man mit solchen Okularen etwas beobachten aber falls das Paket eine brauchbare Teleskopoptik enthält, wird man mit diesen Okularen davon wenig bemerken können.


Plastikokulare - unterste Klasse...

Die Linsen sind unvergütet und man kann die Linsenkanten in schrägem Licht hell aufleuchten sehen. Im Bild ist dies besonders beim Okular ganz rechts zu erkennen. Hier strahlt nicht nur die Linsenkante weiß, sondern man kann erkennen, dass sie sich auf der Linsenunterseite noch spiegelt. Bei diesen Okularen sind im übrigen auch die chromglänzenden Hülsen aus Plastik. Der Buchstabe “H” vor der Brennweitenangabe weist auf die Bauart “Huygens” hin. Ein Konzept, das heute als völlig überholt gilt, selbst wenn es in guter Qualität gefertigt wird.
Probleme solcher Okulare sind generell die Bildschärfe, aber auch Reflexe und farbige Ränder um helle Objekte oder am Bildrand sind dafür typisch. Die Kunststoffgehäuse können Spröde werden durch Alterung oder bei Kälte. Da Kunststoff eine starke Wärmeausdehnung hat, kann es in kalten Nächten zu “Linsenklappern” kommen.
Sofern man ein optisch brauchbares Teleskop hat, sollte man Okulare dieser Klasse nach Möglichkeit ersetzen, wenn man sich länger mit dem Gerät beschäftigen will.


Plastikokulare haben keine geschwärzte Innenseite.
Glänzende und grob ausgeschnittene Plastikteile sind hier die Regel.

2. Einfache Okulare mit Glaslinsen

Solche Okulare findet man gern etwas anspruchsvolleren Teleskoppaketen beigelegt. Die Linsen sind aus Glas und die Gehäuse meist aus Metall. Oft tragen die Linsen bereits eine blaue Vergütung, die man an der Farbe der Spiegelungen auf den Linsen erkennen kann. Oft sind es Kellner oder Reversed Kellner (RK), mit denen man bereits passabel beobachten kann. Einige sehr günstige Plössl-Okulare kann man ebenfalls dieser Klasse zuordnen.


Brauchbare Set-Okulare, zum Teil mit vergüteten Glaslinsen.

An Teleskopen mit Öffnungsverhältnissen wie f/8, f/10 oder f/14 funktionieren die längeren Brennweiten dieser Okular recht gut. Die kurzen Brennweiten können zu Problemen führen. An sogenannten schnellen Optiken, zum Beispiel mit Öffnungsverhältnis f/5, sind die Okulare nicht mehr besonders empfehlenswert. Bastler versuchen manchmal, durchaus mit Erfolg, diese Okulare aufzuwerten indem sie die Schwärzung verbessern. Probleme der Okulare sind die schlechte Schärfe am Bildrand und die meist nachlässige Schwärzung der Innenseite und des Filtergewindes, was zu Reflexen im Bild führen kann.


Das Filtergewinde des mittleren Okulars ist gar nicht geschwärzt, dass der beiden anderen nur dürftig.

3. Standard Okulare

Plössl-Okulare, meist aus taiwanesischer Produktion, bilden derzeit (2007) ein Standard-Okular. Sie lassen sich an Optiken von f/6 bis f/25 gut einsetzen. Die Abbildung ist gut bis sehr gut. Varianten, bei denen alle Glas-Luftflächen eine Multivergütung tragen, sind zu bevorzugen (fmc=“fully multi coated”).


Plössl-Okulare - ein guter Standard

Die Bildqualität teurer Okulare steigert sich gegenüber derartigen, gut verarbeiteten Okularen nur noch um Nuancen. Die Innenseite der Steckhülse ist gut geschwärzt und die bessere Verarbeitung gegenüber den anderen Klassen ist sichtbar oder auch spürbar, wenn man derartige Okulare in der Hand hält.


Gut geschwärzte Steckhülsen.

Noch besseres...

Spricht man von Okularen “oberhalb” des Plössl-Quasistandards, so sind deren Qualitäten sehr stark von den speziellen Eigenschaften und Verwendungszwecken abhängig. Den Preisen sind da keine Grenzen gesetzt, wobei man auch eine bessere Verarbeitung erwarten kann und meist (aber nicht immer) auch bekommt. Weitwinkelokulare, Modelle mit bequemem Augenabstand oder “Spezialokulare” tummeln sich in diesem Bereich. Eine Mehrschichtvergütung auf allen Glas-Luftlächen wird dann selbstverständlich, wobei die Vergütungsqualitäten zu besonderen “Herstellergeheimnissen” avancieren.


Vorbildliche Schwärzung und Verblendung der Steckhülse bei High-End-Okularen.

Erwarten kann oder sollte man eine perfekte Verarbeitung, nicht nur matt lackierte Filtergewinde, sondern ebenso geschwärzte Linsen-Halteringe. Auch die Linsenkanten werden bei Bedarf geschwärzt. Die Auswahl des persönlich richtigen Okulars hängt von den gewünschten Eigenschaften bzw. deren Kombination “passend für den eigenen Geschmack” ab.

Wer ein solches Okular mit individuellen Eigenschaften anschaffen möchte, sollte sich vor dem Kauf überlegen, welche Eigenschaften für ihn persönlich wichtig sind. Das heißt konkreter:

  • An welchen Teleskopen soll das Okular zum Einsatz kommen? Was für anforderungen stellen diese Optiken an das Okular?
  • Ist ein bequemer Augenabstand und ein angenehmer Einblick wichtig?
  • Benötigt man eine Brille auch am Teleskop?
    (Im Allgemeinen brauchen nur Brillenträger mit starker Hornhautverkrümmung auch am Teleskop eine Brille. Im Brillenpass ist dann ein “Zylinder” eingetragen. Die unterschiedliche Sehschärfe wird hingegen ohne Brille beim Scharfstellen mit ausgeglichen.)
  • Welche Objekte sollen hauptsächlich beobachtet werden? Wie stark soll das Okular auf solche Objekte spezialisiert sein?

Diese Liste ließe sich noch fortsetzen. Hat man allerdings nach gründlicher Überlegung, und natürlich auch nach praktischen Erfahrungen, ein passendes Okular gefunden, so relativiert sich ein hoher Preis unter Umständen, weil man das Okular viele Jahre lang benutzen wird. Bei guter Pflege wird Optik nicht schlecht und ein Okular kann problemlos 20 Jahre und noch weit länger im Einsatz bleiben.


Vergütungsunterschiede gibt es auch bei recht teuren Okularen.
Die Farbe der Reflexe oder deren Helligkeit ist aber kein sicheres Kriterium zur Beurteilung der Beschichtungen.

Betrachtet man

1. 2” Weitfeld Okulare

- Klasse RK, Apex

- Klasse TS-WA, UW3080, LV 30, Meade QX, Antares Erfle

- Klasse Panoptic, Nagler, LVW 42, Pentax XW/XL 40, TV Plössl 55, UWA 4000, UWA 5000 ?, SWA 5000?, SWA 4000, Baader Erfle

2. spezielle Planetenokulare

- Klasse Standard-Plössl / Super Plössl, Kasai Classic, Eudia, RKE

- Klasse Genuine Ortho, Pentax XO, TMB Mono

3. Okulare mit bequemem Augenabstand für Brillenträger

- Klasse ED

- Klasse TMB/Burgess/TS Planetary, Hyperion, Stratus, Celestron neue Axiom, Meade Serie 5000 Plössl, LV

- Klasse LVW, Radian, Pentax XL/XW, Nagler Typ 4

4. Ultraweitwinkel >70°

- Klasse Speers Waler

- Klasse Nagler