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Nebelfilter zeigen in der Praxis unterschiedliche Resultate, auch dann, wenn sie nominell zur selben Filterklasse gehören. Insbesondere die Unterschiede bei der visuellen Beobachtung werden unter interessierten Sternfreunden mit großem Interesse betrachtet und oft auch leidenschaftlich diskutiert. Insbesondere zeigt die praktische Erfahrung, dass vor allem unterschiedliche Bedinungen zu sehr unterschiedlichen Bewertungen desselben Filters führen. Störlicht durch Lichtverschmutzung spielt als Grund dafür die größte Rolle. Wie sich ein Filter aber visuell verhält, lässt sich aus der Transmissionskurve nur schlecht ablesen und bisher gab es zur Erklärung der unterschiedlichen Filtereigenschaften nur rudimentäre Ansätze. Bestimmend für das Verhalten eines Filters ist in erster Linie dessen Fähigkeit zur Unterdrückung von Störlicht vom Himmelshintergrund bei gleichzeitig maximaler Transmission des gewünschten Lichts vom Beobachtungsobjekt. Im Ergebnis soll ein Filter also das Verhältnis zwischen Störlicht und Objektlicht verbessern. Bei visueller Beobachtung ist aber neben diesem Verhältnis die absolute Transmission nicht zu vernachlässigen, da das menschliche Auge eine schwächere Transmission von “Nutzlicht” nicht ausgleichen kann, so wie das bei der Fotografie durch eine verlängerte Belichtungszeit möglich ist. Damit lassen sich zwei Leistungswerte des Filters als wesentlich für die Filtereigenschaften herausstellen: 1. Filtertransmission auf den gewünschten Wellenlängen (Linien) von Emissionsnebeln. Welche Wellenlängen erwünscht sind, ist in der Praxis objektabhängig, da nicht alle Objekte alle Linien gleich stark ausstrahlen. Einige spezielle Objekte zeichnen sich durch das Fehlen oder nur vergleichsweise schwache Vorhandensein einer oder mehrerer Linien aus. Für die visuelle Beobachtung von Interesse sind dabei in der Praxis fast ausschließlich die drei Linien H-Beta (486,1nm), OIII (500,7nm) und die weitere OIII-Linie bei 495,9nm. Für diese Linien werden zur Bewertung untereinander die typischen Intensitätsverhältnisse für diffuse und planetarische Nebel übernommen. Um dies zu differenzieren sind im Anhang auch Beispiele für einzelne Objekte mit genauen Daten über die Verhältnisse zwischen diesen Emissionslinien angegeben. 2. Absorption bzw. Wahrnehmbarkeit unerwünschter Wellenlängen (Störlicht, Himmelshintergrund). Unerwünschtes Licht, also Störlicht oder im weitesten Sinne Himmelshintergrund, wird natürlich ebenso vom Auge unterschiedlich wahrgenommen. Die Gewichtung der unterschiedlichen Wellenlängen (= Farben) erfolgt dabei ganz genauso mittels der Empfindlichkeitskurve des dunkeladaptierten Auges. Dabei berücksichtigt wird jedoch die unterschiedliche Intensität des Störlichts, so dass eine weitere Kurve, nämlich die Intensitätskurve für Störlicht in die Berechnung eingeht. Eine zuverlässige Aussage über die Störlichtunterdrückung lässt sich aus dem Vergleich dieser Kurve mit derselben Kurve ohne Filter - was 100% Transmission auf allen Wellenlängen bedeutet - erzielen. Die Ergebnisse dieser Auswertung zeigen eine signifikante Übereinstimmung mit den Beobachtungsergebnissen in der Praxis, was vor allem die Störlichtunterdrückung der Filter angeht. Man erkennt aber auch überraschend geringe Unterschiede der absoluten Filtertransmission, die in der Praxis deutlich wahrnehmbare Unterschiede verursachen. Kombination von Filtertransmission, Störlichtemission und skotopischer Empfindlichkeit Grundlage der folgenden Berechnungen sind die Transmissionsmessungen zu verschiedenen Nebelfiltern, die entweder aus eigenen Messungen (Danke an Christian Brinkmöller und Kai Richter) oder aus dem Archiv von André Knöfel [3] stammen. Betrachtet wurden die Kurven in 1nm Schritten. Eventuelle Ungenauigkeiten durch die Datenreduktion von z.B. 1/10nm Auflösung ändern das Ergebnis nur marginal und erscheinen ohnehin im Rahmen der Messgenauigkeit hinnehmbar.
Die Gewichtung der Störlicht-Intensitätskurve mit der Empfindlichkeitskurve ergibt die Wahrnehmungskurve für Störlicht, und die unter dieser Kurve eingeschlossene Fläche SN entspricht der ohne Filter wahrgenommenen Störlichtintensität. Zur Flächenberechnung wurden in Anlehnung an das Riemann-Integral die Intensitätswerte der Wahnehmungskurve für jeden Nanometer aufaddiert.
Der Lumicon UHC erzielt für den visuellen Beobachter eine Störlichtunterdrückung von 85% Bewertung der Transmissionseigenschaften Zur Bewertung der Transmissionseigenschaften werden die drei für visuelle Beobachter wesentlichen Linien von Emissionsnebeln herangezogen, nämlich H-Beta bei 486,1nm, [OIII] bei 495,9nm und [OIII] bei 500,7nm. Deren Intensitätsverhältnis ist je nach Objektklasse unterschiedlich. Einzelne Objekte bzw. sogar unterschiedliche Regionen einzelner Objekte weichen zwar deutlich von den üblichen Werten ab, es geht aber um ein Gesamtbild, das durch die folgenden Verhältnisse wiedergegeben wird: [5], [4]
Außerdem muss wiederum die spektrale Empfindlichkeit des dunkeladaptierten Auges berücksichtigt werden. Sie beträgt für H-beta 86,2%, für [OIII] bei 495,9nm 95,7% und bei 500,7nm 98,6%. Damit werden die Tabellenangaben multipliziert. Speziell bei reinen Linienfiltern gibt es die Besonderheit, dass entweder die H-Beta-Linie ([OIII]-Filter)oder die beiden [OIII]-Linien (H-Beta-Filter) nicht erwünscht sind. Bei den in der folgenden Grafik mit einem Sternchen gekennzeichneten Einträgen ist diese Transmission dann nicht berücksichtigt. Dieselben Filter ohne Sternchen sind mit allen Linien bewertet. Diejenigen [OIII]-Filter, bei denen es keinen Eintrag mit Sternchen gibt, haben keine bemerkenswerte Transmission auf der H-Beta-Linie, so dass diese Differenzierung keinen Unterschied macht. Für den visuellen Beobachter ist im Normalfall die Bewertung ohne Sternchen der wesentliche Wert. Nur wenn innerhalb eines Objekts die Betrachtung von beispielsweise [OIII]-Strukturen durch anders strukturierte H-Beta-Strukturen (oder umgekehrt) gestört wird, kann die Bewertung mit Sternchen überhaupt praxisrelevant werden. Um eine Gesamtübersicht zu vermitteln, wurde außerdem die Störlichtwahrnehmung durch den vermessenen Filter in Prozent dargestellt. Dazu noch der Hinweis, dass Störlichtwahrnehmung und Nebelwahrnehmung immer vom Objekt und den Gegebenheiten am Beobachtungsort abhängen. So lässt sich aus dem Diagramm keine “Kontrastverbesserung” oder ein ähnlich direkter Wert ablesen. Dazu müsste die Objekthelligkeit und die visuelle Helligkeit des Himmelshintergrundes am Beobachtungsplatz und natürlich für die Himmelsregion des Beobachtungsobjekts bekannt sein. Wegen der logarithmischen Wahrnehmung von Lichtintensitäten ist auch die verwendete AP zu beachten. Es sei die Bemerkung erlaubt, dass in dem Falle das “hingucken” einfacher zu realisieren ist, als eine Vorausberechnung!
Weitere Aspekte Die Berechnung der Transmission gilt für senkrechten Lichteinfall. Das allerdings ist nur auf der optischen Achse der Fall. Abseits der optischen Achse gibt es Verschiebungen der Transmissions-Peaks zum Blauen hin. Dadurch verändern sich an besonders schnellen Optiken (f/4) die Filtereigenschaften geringfügig. Da aber die Bewertung nicht nur für spezielle Teleskope gelten soll, kann dies nicht berücksichtigt werden. Es spielt auch in der Praxis eine sehr untergeordnete Rolle. Die optische Qualität des Filters wird hier natürlich nicht erfasst. Eine schlechte Politur, Verspannungen des Filterglases oder auch Doppelreflektionen bei Filtern mit mehreren beschichteten Flächen, zum Beispiel solche mit zwei verkitteten Filtergläsern, können die optischen Eigenschaften verschlechtern und im Bild stören. Auch das kann nur die Praxis zeigen. Deepsky Filter Bei den betrachteten Deepsky-Filtern zeigt sich ein recht einheitliches Bild im Bereich der gewünschten Transmission. Lediglich der Seben CLR fällt durch schlechte Transmission bei H-Beta auf. Bei der Störlichtdämpfung fällt auf, dass IDAS, Skyglow und Astronomik CLS sehr viel Störlicht zwischen 540nm und 550nm passieren lassen. Der Baader Skyglow, kein Deepsky-Filter und hier nur wegen seiner Verbreitung und der verwechselbaren Namensgebung aufgeführt, kann kaum 40% des Störlichts ausblenden.
UHC Filter Bei den UHC-Filtern zeigt sich, dass bei einigen Fabrikaten die Störlichtdämpfung kaum stärker ausfällt, als bei kräftiger wirkenden Deepsky-Filtern. Das ist besonders auffällig beim Baader UHC-S, der 31,5% Störlicht wahrnehmbar werden lässt und damit etwas mehr, als Seben CLR und Meade Nebular Broadband.
[OIII]-Filter Bei den [OIII]-Filtern lässt sich das wahrnehmbare Störlicht bereits sehr gut an der Halbwertsbreite ablesen und die Filterkurven finden sich quasi wie nach ihrer Halbwertsbreite “aufgereiht”. Beim TeleVue OIII fällt die geringe Flankensteilheit auf und mit seinem Wert von 17,42% lässt er mehr bzw. etwa gleich viel Störlicht passieren, wie Lumicon UHC und Meade Narrowband.
Ausblick Fotografisch interessierte können anstelle der skotopischen Empfindlichkeitskurve ähnliche Rechnungen mit der Empfindlichkeitskurve von CCD-Sensoren oder Filmmaterial anstellen. Da aber bei monochromen CCD-Sensoren die Empfindlichkeitskurven deutlich ausgeglichener sind, als die des menschlichen Auges, ergeben sich weniger starke Unterschiede zur normalen Transmissionskurve. Anders ist dies jedoch bei Farb-CCD-Sensoren, bei denen sich durch die Farbfilter spürbare Unterschiede ergeben. Anhang Beispiele für die Intensitätsverhältnisse von Emissionslinien in Gasnebeln
Referenzen: [1] CIE Proceedings (1951), Vol. 1, Sec 4; Vol 3, p. 37, Bureau Central de la CIE, Paris, 1951 [2] The Journal of Experimental Biology 209, 789-800, The Company of Biologists 2006, [3] Transmissionskurven von Filtern, André Knöfel, http://www.astroamateur.de/filter/ [4] unter Anderem: On The Chemodynamics of Wolf-Rayet Ring Nebula: NGC 6888 [5] Nebular Filters in Deepsky Astronomy [6] A Catalog of Relative Emission Line Intensities Observed in Planetary and Diffuse Nebulae [7] Pic du Midi Observatory - T60 Mission Was ist eine Transmissionskurve? Unter einer Transmissionskurve versteht man eine Darstellung der Lichtdurchlässigkeit des Filters für verschiedene Farben. Von links nach rechts findet man hier kontinuierlich die Lichtfarben von violett über blau grün und gelb bis rot angeordnet. Manche Kurven schließen links davon noch den Bereich des unsichtbaren ultravioletten Lichts und rechts davon den ebenso unsichtbaren Bereich des infraroten Lichts (TV-Fernbedienungen) ein. Als Einheit dient die Wellenlänge des Lichts, mit violettem Licht an der Grenze zu Ultraviolett bei 400nm und tiefrotem Licht an der Grenze zum Infrarot bei 700nm.
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