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Das Meade UWA 8,8mm Serie 4000

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Meine erste Begegnung mit dem UWA 8,8mm aus der Meade Serie 4000 hatte ich im Jahr 2001 auf dem ITT in Kärnten und sie blieb mir durchaus im Gedächtnis. Das Ultraweitwinkel entlockte dem Klassiker M13 am Vixen R200SS, welches als 200/800 Newton mit eingebautem Komakorrektor eine ziemlich anspruchsvolle Optik ist, ein deutliches Plus an Bildqualität im Vergleich zum 8mm LVW.

So behielt ich das Okular einige Jahre in guter Erinnerung, während es von Meade längst mit der eher trendig gestylten Serie 5000 ersetzt worden war. Eine Wiederbegegnung gab es dann im Bekanntenkreis im Jahr 2012 und ich stellte fest, dass die Leistung des Okulars meiner guten Erinnerung in nichts nachstand. Also machte ich mich selbst auf die Suche nach einem Exemplar. Das war nun, Ende 2013 nicht mehr so leicht. Inzwischen hatten die UWA der Serie 4000 eine kleine Renaissance erfahren und standen kaum längere Zeit im Gebrauchtmarkt.  Das erste Exemplar, was ich dann erhielt, war eines der ersten Serie aus den 1980er Jahren. Hier hatte Meade noch ohne Gummiaugenmuschel produziert. Leider musste ich das Okular zurückgeben, denn die Augenlinse war übersät mit kleinen Kratzern und Macken. Weniger schrecklich zugerichtet, aber doch durch Putzen arg misshandelt, ging auch ein "optisch einwandfreies" 6,7mm UWA Serie 4000 an seinen Verkäufer zurück. Ich achtete fortan also darauf, ein Exemplar zu finden, das weniger schlechte Zeiten durchgemacht hatte. Das fand sich dann, sogar mit dem Original-Drehpack. Hier hatten die Linsen eine einwandfreie Qualität und lediglich die Augenmuschel aus weichem Silikongummi hatte einen kleinen Einriss am Falz, vermutlich, weil der Versuch, das Okular daran aus dem Drehpack zu ziehen, keine Gute Idee gewesen war - angesichts des hervorragenden Zustands der Linsen ein sehr verzeihlicher Mangel. Die Erwähnung der Gummiaugenmuschel verrät bereits, dass es sich um ein Exemplar der späteren Produktion handelt.

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Dass ein derartiger Zustand der Augenlinse keinen Kontrast kostet, wage ich zu bezweifeln...

Das äußere des sauber verarbeiteten Okulars entstammt natürlich seiner Zeit, genießt aber auch eine gewisse Zeitlosigkeit. Rein funktional gehalten bestimmen die griffige Gummiarmierung und das schwarz eloxierte Aluminiumgehäuse sein aussehen. Ein aktuelles Televue Delos hat noch dieselbe Gummiarmierung und eben grüne Schrift mit noch zwei Zierlinien. Die gelbe Beschriftung des UWA ist im Dunkeln bestimmt nicht schlechter und auch wenn sie nur mit einer ordentlichen Schichtdicke auflackiert ist, hat sie doch die Jahre ohne sichtbaren Abrieb überstanden. Genauso zeitlos ist auch die Gummiaugenmuschel - man findet sie wirklich exakt baugleich auf einem aktuellen 17mm Ethos. Vielleicht auch als Ersatzteil... Das weiche Silikongummi liegt angenehm am Auge und erlaubt es, sich nah ans Okular zu kuscheln, um seitliches Störlicht möglichst gut abzuschirmen.

Teleskopseitig hat das UWA 8,8mm eine kombinierte Steckhülse in 1,25" und 2" Einsteckdurchmesser. Der 2" Teil ist aus recht massivem Alu ausgeführt und hat einerseits eine Aussparung für die Klemmschraube einer 1,25" Okularaufnahme, andererseits aber auch eine M4 Rändelschraube, um das Okular zusätzlich von außen auf einer 1,25" Fassung zu klemmen. Nicht unpraktisch, wenn die 1,25" Okularaufnahme einen auskragenden Rand hat, der dann als Sicherungsnut fungieren würde. Dieses Detail fehlt nämlich beiden Steckhülsen. Ein anderes, kleines Detail ist auf der 1,25" Steckhülse vorhanden: Der fein eingravierte Schriftzug "Japan".

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Nur das Filtergewinde ist nicht geschwärzt.

Das Innere der Steckhülse ist in allen Teilen matt geschwärzt, ausgenommen das 1,25" Filtergewinde und ebenfalls ausgenommen der nachlässig geschwärzte Gewindeteil, in dem der Fassungsring für die unterste Linse sitzt.

Der Blick auf die Linse offenbart, was auch schon die Beschriftung "Multicoated" anzeigt. Die damalige Mehrschichtvergütung mit 7 Schichten, wie sie die Meade-Homepage noch ausweist, erscheint vom Farbeindruck nicht mehr recht zeitgemäß. Violette und blass grüne Reflexe wechseln einander ab. Beim seitlichen Blick auf diese Reflexe fallen dann auch die geschwärzten Linsenkanten positiv ins Auge. Das Innere des Okulars ist überhaupt im positiven Sinne ziemlich dunkel.

Um mit dieser äußerlichen Betrachtung zum Ende zu kommen: Das Gewicht von 409g verrät denn doch, dass mit 8 Linsen in 5 Gruppen eine ganze Menge Glas innerhalb von 95mm Höhe und maximal 57 mm Durchmesser untergebracht ist.

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Das 8,8mm neben seinem großen Bruder mit 14mm. Man erkennt gut die Reflexfarben der Vergütung.

Bei der Beobachtung stellt man sofort fest, dass sich die nominellen 84° an scheinbarem Gesichtsfeld schon mit einem recht angenehmen Augenabstand überblicken lassen. C.J.R. Lord gibt für die Meade UWA Serie 4000 einen Augenabstand von 1,57 x Brennweite an. Das ergibt für das 8,8mm fast 14mm Augenabstand und so lässt sich tatsächlich mit umgeklappter Augenmuschel und aufgedrückter Brille auch das ganze Gesichtsfeld überblicken. Bei Dunkelheit und somit weit geöffneter Iris, versteht sich. Das ist bei anderen Okularen mit nominell gleichem Augenabstand nicht so einfach zu machen.

Das Okular kam vor allem am 300/1200 Newton und somit bei f/4 zum Einsatz. Die Wirkung verschiedener, vierlinsiger Komakorrektoren mit Verlängerungsfaktoren von 1x bis 1,15x war durchweg positiv in Bezug auf die Randabbildung. Sie ist aber auch ohne Komakorrektor schon sehr gut. Das Okular harmoniert wunderbar mit der Bildfeldwölbung üblicher Newtons, ist hervorragend gegenüber Okularastigmatismus korrigiert und somit eines der wenigen Okulare, in denen man überhaupt einmal einen guten Blick auf Koma werfen kann. Wird sie beseitigt, so erzielt man eine sehr gute Randabbildung mit Sternabbildungen, die sich erst auf den letzten 5° überhaupt erkennbar vergrößern. Im Rest des Feldes verrät nur die Auflösung eines dichten Kugelsternhaufens, dass es zum Rand hin ein leichtes Nachlassen bei der Sternabbildung gibt. Am einzelnen Stern bemerkt man auch beim Durchschwenken keine Veränderung bis ganz kurz vor dem Rand.

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So perfekt sollte die Augenlinse eines gut gepflegten Exemplars aussehen.

Weitere Beobachtungen mit 400/1800 und 200/1000 Newtons konnten den guten Eindruck nur bestätigen. Insbesondere bei der Auflösung von Sternhaufen macht das Okular einen sehr guten Eindruck. Es sollte sich allerdings auch bei der Galaxienbeobachtung einem 9mm Nagler Typ 6 stellen, da das recht betagte Okular schon immer den Ruf hatte, aufgrund der Vielzahl an Linsen seine Probleme mit der Transmission im Blauen zu haben. Das erstaunliche Ergebnis war, dass es schwer fällt, dem 9mm Nagler einen Transmissionsvorteil zu bescheinigen. An erkennbaren Details schwacher Galaxien war dies jedenfalls nicht festzumachen. Man würde wohl ein Doppelteleskop brauchen, um überhaupt etwas festzustellen. Allerdings profitiert das UWA dabei auch von seiner gelungenen Streulichtunterdrückung. Die Konstruktion hält Streulicht vom Auge fern, da man durch die Augenlinse nur recht wenig Okulartubus sieht - nämlich hauptsächlich das Innere der Steckhülse auf beiden Seiten der untersten (Negativ-) Linsengruppe.

Anders sieht der Vergleich natürlich aus, wenn man Okulare mit deutlich weniger Linsen und guter Fertigungsqualität heranzieht. Insbesondere wenn man ein Teleskop verwendet, an dem beispielsweise ein 9mm Kasai Hc Ortho eine gute Wahl ist. Hier kann ein solches Ultraweitwinkel einfach nicht mithalten. Mehr Transmission und nochmals weniger Streulicht, natürlich auf Kosten eines ziemlich engen Gesichtsfeldes, lassen das UWA 8,8 mm dann hinter sich. Außerdem sollte man festhalten, dass beispielsweise das 9mm Nagler Typ 6 deutlich kompakter und auch deutlich leichter ist. Ob die Okularklemmung auch fest genug angezogen ist, um fast ein halbes Kilo in einer 1,25” Aufnahme zu halten, wird man sich hoffentlich nicht erst dann fragen, wenn der Zenitspiegel auf einmal mit seiner Okularaufnahme gen Boden rotiert. Die fehlende Sicherungsnut kann leicht unangenehme Folgen haben. Ebenso schief gehen kann das unbesorgte Einstecken des Okulars in einen 2” Zenitspiegel: Die recht lange Kombination aus 1,25” und 2” Steckhülse kann schnell für Macken auf dem Spiegel sorgen und gefährdet auf die gleiche Weise auch die Linsen von Komakorrektoren oder Flattenern.

Eine weitere Beobachtung fand am Tage statt. Hier sollte das Okular am harten Kontrast von Zweigen gegen blauen Himmel getestet werden. Damit hier vor allem laterale Farbe sichtbar werden sollte, kam eine Russentonne MTO 11 CA mit f/10 zum Einsatz. Auch diesen Test bestand das Okular gut. Nur innerhalb eines schmalen Rings um die Gesichtsfeldblende ließ sich ein schwacher, blauer Saum an den dunklen Zweigen ausmachen. Zur Feldmitte hin verlor sich dies und allenfalls konnte man beim Umherblicken im Feld immer mal eine Ahnung von Farbspielen zum Rand des Feldes hin ausmachen - also in einem Ausmaß, das wie schon zuvor gesehen am Nachthimmel nicht wahrnehmbar ist. Lediglich der Mondrand wird diese feinen Ränder zum Rand des Feldes hin sichtbar machen.

Fazit

Das 8,8mm UWA Serie 4000 aus dem Hause Meade ist auch heute noch eine gute Wahl, wenn man ein Ultraweitwinkel mit einem schnellen Newton kombinieren will. Erzielt man einen vernünftigen Gebrauchtpreis, so kann man durchaus noch Geld gegenüber aktuellen 82° Okularen sparen und dabei ein in der Summe der Eigenschaften besseres Okular erhalten. Die Erfahrungen mit beschädigten Okularen zeigen aber auch, dass der Gebrauchtkauf mit zunehmendem Alter der Okulare schwieriger wird. Hüten sollte man sich auch vor Phantasiepreisen. Man kauft immerhin ein gebrauchtes 84° Okular und kein neues mit 100°.

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