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Empfehlenswerte Teleskopsets für Einsteiger

konkrete Vorschläge

Die meisten Themenberichte und Vorschläge im Rahmen meiner Einsteigerecke lassen dem interessierten Einsteiger fast freie Wahl bezüglich seines Wunschteleskopes. Während das im Laufe der 90er auch kein besonderes Problem darstellte, da nur wenige Modelle verfügbar waren, stellt heute die überwältigende Vielfalt der Angebote viele Sternfreunde vor Probleme.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich entschlossen, 3 konkrete Einsteigersysteme vorzustellen, die ich als “Komplettpaket für das erste Teleskop” für sinnvoll halte. Die Vorgestellten Teleskope sollen nicht nur dem Preisaspekt gerecht werden, sondern sie sollen durchaus auch die Bezeichnung “Lernteleskope” verdienen. Das heisst, daß diese Geräte zum Sammeln von Erfahrungen und nicht einigen Spezialzwecken dienen sollen.  Sie sind aber auch nicht zwangsläufig so ausgelegt, daß sie nach kurzer Zeit zugunsten eines “besseren und grösseren” Teleskopes wieder verkauft werden müssen.

1. Der 70mm Refraktor (unter 100,-€)

Dieser Gerätetyp ist vor allem als “Lidl-Teleskop” bekannt geworden. Das Gerät lässt sich aber bei vielen Händlern mit sehr ähnlicher Ausstattung finden. Die Eckdaten des Systems sind:

  • Linsenteleskop 70mm Öffnung, 700mm Brennweite (auch 800mm oder 900mm)
  • Equatoriale Montierung (EQ-2)
  • 3 Okulare (20mm, 12,5mm, 4mm oder ähnlich), Zenitspiegel, Mondfilter

Diese Geräte sind recht klein und dadurch leicht zu handhaben. Linsenfernrohre sind durch ihre niedrige Okularposition auch für Kinder geeignet. Die schönsten Beobachtungsziele sind der Mond und die Planeten Jupiter, Saturn, Mars, Venus und Merkur. Auch einige entfernte Objekte wie die Andromedagalaxie, der Orionnebel und die Plejaden können eindrucksvoll gesehen werden.

Zu beachten ist beim Kauf, daß der Steckdurchmesser der Okulare 31,8mm (das sind 1,25 Zoll) beträgt. Ältere Teleskope verwenden Okulare mit 24,5mm Einsteckdurchmesser (genannt 1 Zoll), die heute kaum noch erhältlich sind. Wenn ein Okular nachgekauft werden soll, wird dies ein Problem. Ausserdem lassen sich die Okulare mit 31,8mm Durchmesser an jedem gängigen Teleskop weiterverwenden. Gemeint ist aber der Durchmesser der verchromten Steckhülse, nicht die aufgedruckte Okularbrennweite, die ja auch in Millimetern angegeben wird.

Tipps: Eine zu stramm aufgepresste Taukappe kann druck auf die Linsen ausüben und so das Bild verschlechtern. Wenn möglich sollte dann die Kappe abgenommen werden und “sanft” neu befestigt oder z.B. durch Pappe ersetzt werden.

Ähnliche Geräte:

  • Linsenteleskop 60mm Öffnung (diverse Brennweiten)
    Diesen Gerätetyp kann ich nicht empfehlen. In “Kaufhausqualität” bieten diese Geräte einfach zu wenig Beobachtungsmöglichkeiten und eine oft nur minderwertige Optikqualität.
  • Linsenteleskop 80mm Öffnung 400mm Brennweite (auch 450 oder 500mm)
    Auch dieser Gerätetyp ist als Einsteigerteleskop nicht besonders empfehlenswert. Diese Geräte sind für schwache Vergrößerung spezialisiert, die eher für Naturbeobachtung sinnvoll ist.
  • Linsenteleskop 80 bis 90mm Öffnung, Brennweite 800mm oder mehr
    Diese Geräte sind ebenfalls empfehlenswerte Einsteigerteleskope. Sie kosten deutlich mehr als der 70mm/700mm Refraktor, bieten aber auch eine bessere Leistung.

2. Der 114mm Newton “114/900” (unter 200,-€)

Dieser Gerätetyp ist von alters her das am meisten empfohlene Einsteigerteleskop. Es handelt sich um eines der vielseitigsten Systeme und ist praktisch bei jedem Händler mit leichten Abwandlungen erhältlich. Trotzdem sollte nicht jeder “114er” blind gekauft werden, da es einige Variationen gibt, die für den Einsteiger sehr problematisch sind. (Siehe unten.)

  • Spiegelteleskop, Bauart Newton, 114mm Spiegeldurchmesser, 900mm Brennweite (auch 910mm)
  • equatoriale (=parallaktische) Montierung
  • 3 Okulare (meist 20mm, 12,5mm und 6mm), Mondfilter

Dieses Gerät ist mit seiner Länge von 90cm schon recht stattlich. Der Einblick am oberen Tubusende ist für den Laien ungewohnt. Kinder, die das Okular nicht ohne Hilfsmittel (Trittleiter) erreichen können, sollten wohl nicht ohne Aufsicht mit dem Gerät beobachten. Wie auch beim 70mm Refraktor sind die Hauptbeobachtungsziele Mond, Jupiter, Saturn, Mars, Venus und Merkur, auf denen sich aber deutlich mehr Details erkennen lassen. Ausserdem zeigt das Gerät durch seine grössere Öffnung bereits eine Vielzahl von Objekten ausserhalb unseres Sonnensystems. Wer wenig von Stadtlicht gestört wird, kann nicht nur Sternhaufen und die hellsten Galaxien, sondern auch einige schöne Nebel wie z.B. die Überreste von Sternexplosionen betrachten.

Auch dieses Gerät sollte unbedingt mit 1,25 Zoll Okularen ausgestattet sein, denn besonders der 114mm Newton erfreut sich oft einer langen Nutzungsdauer, so daß die mitgelieferten Okulare gern durch qualitativ hochwertige Stücke ersetzt werden.

Ähnliche Geräte:

  • 114mm Newton 1000mm Brennweite
    Diese Geräte, auch Short-Tube oder Cat-Newton (catadioptric) genannt bieten zwar ähnliche Möglichkeiten wie der 114/900 Newton, die kompakte Bauweise erzeugt aber ein sehr schwer zu justierendes Teleskop, welches in Anfängerhänden kaum richtig einzustellen ist. Es zeigt daher üblicherweise deutlich schlechtere Bilder als der richtige 114/900 Newton. Sie sind zum Einstieg nicht zu empfehlen.
  • 114mm Newton 500mm Brennweite
    Diese Geräte sind speziell für Beobachtungen bei niedriger Vergrößerung ausgelegt. Ihre Abbildungsleistung bei der Planetenbeobachtung ist oft (je nach Bauart) schlechter als die des 70/700 Linsenteleskopes.  Einige frühere Baureihen dieser Art musste man sogar als komplette Fehlkonstruktion bezeichnen.
  • 76mm Newton 700mm oder 750mm Brennweite
    Diese Geräte sind durchaus interessante Teleskope für den Einstieg und können deshalb in Betracht kommen. Ihre Leistung ist aber eher in der nähe des 70/700 Linsenteleskopes anzusiedeln.
  • 130mm Newton 900mm Brennweite
    Dieses Gerät zeigt ein etwas helleres Bild, als der 114mm Newton. Dies kommt vor allem der Beobachtung von schwachen Objekten (Nebeln, Galaxien) ausserhalb des Sonnensystems zu gute. Die Geräte der “Einsteigerpreisklasse” können aber wegen einiger Produktionsmerkmale bei der Planetenbeobachtung nicht mehr Details zeigen, als der 114mm Newton.

 

Der 150mm Dobson (unter 300,-€)

Seit Ende der 90er Jahre ist der Dobson mehr und mehr zu einer guten Alternative für den Einsteiger geworden. Es ist sehr “intuitiv” zu handhaben und bietet in seiner Preisklasse die beste optische Leistung.

  • Dobson Teleskop (Newton Spiegelteleskop) 150mm Öffnung, 1200mm Brennweite
  • 1 bis 3 Okulare meist besserer Qualität als übliche Einsteiger-Okulare

Der Dobson ist eine Art Teleskop für Puristen. Anstatt einer Teleskop-Montierung wird das Gerät der sogenannten “Rockerbox” aufgestellt und von Hand dem himmel “nachgeschubst”. Mit einiger Übung ist diese Technik durchaus akzeptabel, zumal die optische Leistung jedes andere Gerät derselben Preisklasse deutlich übertrifft. Da der gut 110cm lange Tubus direkt am Boden aufgestellt ist, ist der Einblick wieder Kindgerecht.
Der “6 Zoll f/8”-Dobson zeigt nicht nur eine Fülle von Details auf der Mondoberfläche, auf Jupiter oder Mars, sondern er lässt bereits die fernen Planeten Uranus und Neptun als winzige “Bälle” erkennen. Objekte ausserhalb des Sonnensystems zeigen in diesem Gerät etliche Details. Schwache Kugelsternhaufen, die in den kleineren Teleskopen eher als fleckige Nebel wirkten, wirken nun erst richtig als Sternhaufen.
Falls weniger als 3 Okulare beigelegt werden, sollte man die Fehlenden Okulare am besten gleich zukaufen, damit man das Gerät richtig nutzen kann. Sinnvoll sind Okularbrennweiten um 6mm, 9mm und 26mm. Die vielfältigen Beobachtungsmöglichkeiten bewegen die meisten Sternfreunde dazu, je nach Bedarf weitere Okulare zuzukaufen. Zum Beispiel um die große Lücke zwischen 26mm und 9mm zu schliessen (15mm).
Als weiteres Zubehör empfiehlt sich ein Graufilter zur Dämpfung des sehr hellen Bildes bei der Mondbeobachtung.

ähnliche Geräte:

  • Dobson Teleskop 200mm Öffnung 1200mm Brennweite
    Dieses Gerät ist ebenfalls sehr beliebt. Es übertrifft den 150/1200 Dobson in allen Disziplinen. Ein 2 Zoll Okularanschluß ist sinnvoll.

Zu recht ähnlichen Schlüssen über die verschiedenen, aktuellen Einstiegsmöglichkeiten, kommen die Deepsky-Brothers in ihrem Artikel “Teleskope zum kleinen Preis”. Hier wird auf einige Modelle noch detaillierter eingegangen.

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