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Péter Vizis
„Sternatlas für den visuellen Beobachter“

Sternatlas für den visuellen Beobachter

Das Bessere ist des Guten Feind, damit möchte ich meine kurze Rezension zu diesem Sternatlas einleiten. Der Atlas umfasst insgesamt 30 Karten, die den von Mitteleuropa aus beobachtbaren Himmel abdecken. Die Karten sind, anders als von reinen Sternatlanten gewohnt, nicht stur nach Himmelskoordinaten angeordnet, sondern sie bilden einzelne Kartensätze, die zu einer angegebenen Jahreszeit die Hauptbeobachtungsrichtung Süden vom zenitnahen, zirkumpolaren Bereich bis zum Horizont umfassen. Diese Kartensätze unterstützen somit den Beobachter bei der Auswahl geeigneter Objekte, da sie einen schnellen Überblick der zu einem Zeitpunkt günstig stehenden Himmelsgebiete darstellen. Das Konzept ist in dieser Art bereits seit längerem vom „Atlas für Himmelsbeobachter“ bekannt. Dieses neue Werk jedoch beseitigt einige Schwächen des „Karkoschka“ und stellt mit einer Reihe von sinnvollen Erweiterungen eine längst fällige Modernisierung des Konzepts vor. Abgerundet wird das Werk durch eine informative, leicht lesbare und vor allem kurze Einleitung, die sich binnen einer Stunde lesen und verstehen lässt.

Die Einleitung nimmt vor allem den Einsteiger an die Hand. Die wesentlichen Informationen zur Beobachtung werden geschickt vermittelt. Die Autoren verlassen sich dabei auf die Wirksamkeit einfacher und übersichtlicher Grafiken, die knapp und unmissverständlich zum Beispiel die Veränderung des Himmelsanblicks je nach Jahreszeit erklären. Gut gelungen ist außerdem die Erklärung aller Elemente der Karten- und Informationsseiten.
Besonderes Augenmerk gilt den im Kartenteil behandelten Objektkategorien. Dies sind Deepsky-Objekte und ihre Unterkategorien, Doppelsterne und veränderliche  Sterne. Sehr sympathisch ausgeführt ist die Erklärung, dass Planeten als aus Sicht des Beobachters bewegliche Objekte kein Bestandteil des Buches sind, dass sie aber dennoch sehr lohnenswerte Beobachtungsobjekte abgeben.
Der Kartenteil besteht jeweils aus dem rechts angeordneten Kartenblatt und der gegenüberliegenden Seite mit Beschreibungen und Details. Wo Karkoschka nur mehr oder weniger große Kreise einzeichnet, verwendet der „Sternatlas für den visuellen Beobachter“ Symbole wie sie in modernen Sternatlanten geläufig sind. Die Legende ist geschickt auf die Innenseite des Buchdeckels gedruckt und so stets im Zugriff. Weiterhin hat man besonders interessante Objekte hervorgehoben. Bei Deepsky-Objekten durch Fettdruck des Kartensymbols, bei Veränderlichen durch fett gedruckte Beschriftung und bei Doppelsternen durch eine gut erkennbare, graue Hinterlegung. So fällt es nicht schwer, die wesentlichen Objekte des betrachteten Kartenausschnitts sofort zu erfassen.
Besonders wichtig, und zwar nicht nur für den Einsteiger, ist die Kartendarstellung mit Sternbild-Hilfslinien. Der Kartenmaßstab zeigt selbst große Sternbilder noch vollständig, so dass die Orientierung am Himmel leicht fällt. Sterne bis zur 8. Größenklasse bieten genügend Orientierungspunkte, um mit Leuchtpunktsucher und Aufsuchokular die eingezeichneten Objekte genau genug anzupeilen. Am Kartenrand angeschnittene Sternbilder sind nicht nur mit ihrem Namenskürzel, sondern auch mit ihrer Kartenseite angegeben. Leider haben sich dabei einige Fehler eingeschlichen, die jedoch hauptsächlich Sternbilder betreffen, die von Mitteleuropa aus am südlichen Horizont stehen und kaum beobachtbar sind. Hier sind Seitenzahlen angegeben, die falsch sein müssen, weil die betreffenden Sternbilder nicht enthalten sind

Die Informationsseite zu jedem Kartenausschnitt gliedert sich in drei Bereiche die den Themen Veränderliche, Deep-Sky-Objekte und Doppelsterne gewidmet sind. Da sich je nach Himmelsareal mehr oder weniger Objekte einer Kategorie finden, ist die Platzverwendung der Kategorien variabel und sie lassen sich durch unterschiedliche Hinterlegung gut auseinander halten. Außerdem finden sich auf der Informationsseite neben den Sternbildnamen die für den Kartenausschnitt günstigen Beobachtungsmonate

Kartenseite

Der Veränderlichenbeobachter findet üblicherweise und mindestens einen Veränderlichen mit Helligkeitskurve und einer Aufsuchkarte, die bereits passend mit Größenklasse beschriftete Referenzsterne zur Helligkeitseinschätzung enthält. Dazu werden noch einige weitere Variable in Kurznotation vorgestellt.
Die Deepsky-Objekte fallen besonders durch die in diesem Bereich abgebildeten Zeichnungen ins Auge. Zu jedem Kartenblatt sind bis zu vier Zeichnungen abgebildet, die dem Beobachter den Anblick des Objekts unter guten Bedingungen wiedergeben. Die Zeichnungen sind sorgfältig mit Angaben zur Beobachtung versehen. Der Leser findet hier die Klasse des verwendeten Teleskops, den sichtbaren Himmelsausschnitt, die verwendete Vergrößerung und die Objektposition. Hinzu kommen wiederum weitere Deepsky-Objekte in Kurznotation.
Dementsprechend findet der Doppelsternbeobachter Positionsdiagramme zu interessanten Doppelsternen und weitere Doppeltsterne in Kurznotation. Hier wird insbesondere auch auf Doppelsterne mit schönem Farbkontrast hingewiesen und man erfährt eine Vergrößerung, die zur Trennung erforderlich sein wird. Die kleinen Diagramme zu den Bahnpositionen der Komponenten sind leider manchmal etwas fehl am Platze, wenn nämlich sehr lange Umlaufperioden über mehrere Jahrhunderte verhindern, dass ein Mensch als Beobachter überhaupt eine Veränderung wahrnehmen kann. Solche Objekte, bei denen man frühestens nach Jahrzehnten einen Vergleich beginnen kann, sollten weiterführender Literatur vorbehalten sein. Dann bliebe etwas mehr Platz für weitere Deepsky-Objekte, wie zum Beispiel den Zirrus, der beim Sternbild Schwan keine Erwähnung findet, aber meist doch einfacher und detailreicher als der aufgeführte Nordamerikanebel beobachtbar ist.
Abgerundet wird das Werk durch einige Tabellen, die vor allem unnötiges Blättern vermeiden sollen. So findet  man auf der Innenseite der Rückendeckels eine Übersicht des abgedeckten Himmelsareals mit einer alphabetischen Auflistung der enthaltenen Sternbilder nebst ihrer Kartenseite. Darüber hinaus finden sich Tabellen mit Objektempfehlungen zu den verschiedenen Klassen.
Das mir vorliegende, gebundene Exemplar zeigt eine gute Druck- und Papierqualität. Abgesehen von ein paar kleineren Satzfehlern und dem in Deutschland eher ungewohnten Begriff „Binokular“ für ein Fernglas ist das Werk von ausgesprochen guter Qualität. Zusammen mit einer drehbaren Sternkarte verwendet, kann es erfolgversprechend die erste Beobachtungsnacht und noch viele weitere begleiten. Es dürfte im Normalfall einige Jahre dauern, die vorgeschlagenen Objekte auch nur einer der drei Kategorien „abzuarbeiten“. Es motiviert dazu insbesondere durch die enthaltenen Zeichnungen, Detailkarten und Positionsdiagramme.

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