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Der Baader OIII Nebelfilter

Baader OIII in Filterdose

Viele Sternfreunde, die gern Emissionsnebel beobachten, nutzen dazu diverse Nebelfilter. In der Hauptsache kommen UHC und OIII Filter zum Einsatz, die spätestens in den letzten 10 Jahren "in Mode gekommen" sind. Im Sommer 2004 erschien von Baader nun ein neuer OIII-Filter, der auch für diejenigen Sternfreunde interessant sein könnte, die bereits einen OIII-Filter in ihrem Okularkoffer haben.
Der erstaunlich niedrige Preis, besonders für den 2" Filter, bewog mich dazu, bereits kurz nach erscheinen der ersten Exemplare diesen Filter zu bestellen. Der Filter sollte vor allem bei schwacher Vergrößerung im 2" Okular zum Einsatz kommen, da mir für die Balkonbeobachtung mit starkem Streulicht der vorhandene 2" UHC nicht ausreichte.

Erst im September 2004 wurden die 2" Filter ausgeliefert, während die 1,25"-Version schon einige Wochen lang verfügbar war. Als erstes Detail fiel mir auf, daß mein Exemplar eine unbedruckte Filterfassung aufwies - das ist zumindest so lange unproblematisch, wie alle anderen Filter in einer bedruckten Fassung sitzen. Vielleicht war auch die bedruckte Fassung noch nicht verfügbar. Die Fassung hat die von Baader bekannte Form mit den kleinen Griffnoppen. Sie ist recht dünn, aber ausreichend stabil. Im ersten Moment kann der Eindruck entstehen, die Fassung wäre aus Kunststoff. Der Eindruck aber täuscht, die Fassung ist aus schwarz eloxiertem Metall, vermutlich Aluminium.
Leider ist die Fassung nicht optimal. Zunächst mal ist die Fassung sehr hochbauend. Die Steckhülse wird unnötig verlängert und der Filter kann daher auf Korrektorlinsen oder einem Zenitspiegel aufsetzen. Da der Filter deutlich dünner als eine 2” Steckhülse ist, könnte selbst eine eventuell vorhandene Sicherung in der Steckfassung versagen. Daß es auch kleiner geht, zeigen z.B. Astronomik oder auch besonders eindrucksvoll Heliopan.

Baader Filterfassung
Die Filterfassung ist leider recht hoch und (noch?) unbeschriftet

Der 2. Schwachpunkt ist das 2" Filtergewinde. Das Gewinde des Baader OIII ist dem meines Astronomik UHC sehr ähnlich, das heisst, es hat die gleichen Schwächen und unterscheidet sich deutlich von den Gewinden der Lumikon Filter. Entsprechende Probleme gab es im Feld bei der Verwendung des Filters. Am 22mm Nagler T4 ließ der Filter sich mit einigem quietschen einschrauben, im LV 30 mit Hilfe des AOK-Gewindereduzierringes ebenso quietschend. Für das Gewinde im BW 30mm hatte das des Filters einen zu grossen Durchmesser. Mit dem TS-WA 32mm fand sich wenigstens ein Okular, in dem sich der Filter sauber einschrauben ließ.
Vor dem Feldeinsatz wurde der neue Filter am Handspektroskop gegen den Astronomik OIII verglichen. Hier zeigte der Baader ein deutlich schmaleres Durchlassfenster. Dies sollte für eine kräftige Filterwirkung sprechen.

Spektren zum Vergleich der Bandbreite
Ein sehr simpler Vergleich (ohne Eichung) zeigt sehr deutlich die enge Bandbreite des Baader OIII

Nachdem spätestens seit einführung der Astronomik-Filter die Haltbarkeit der Filterschichten ein Thema ist, kann Baader hier mit interessanter Technologie aufwarten. Während üblicherweise die Filterschichten aufgedampft und zum Beispiel mit Quarz-Schutzschichten gschützt werden, werden beim Baader OIII die Schichten mit dem Sputter-Verfahren aufgebracht. Das Metall wird mit einer Ionenkanone quasi auf das Filterglas geschossen, was eine sehr harte Filterschicht ergibt.  Das Verfahren wird schon seit einiger Zeit eingesetzt, meines Wissens auch für die neue Variante des Skyglow-Filters. Es ist aber noch so neu, daß Baader in seinen Werbeanzeigen das Fachwort "Sputter" (engl. spritzen) falsch schreiben ließ...

Praxis

Der erste Einsatz des Filters war eine Balkonbeobachtung unter harten Bedingungen. Kaum über 4,5 mag visuelle Grenzgröße bei einer Mondphase von 90%. Der Zirrusnebel als OIII-Paradeobjekt war das Ziel. Der Baader OIII musste sich hierbei meinem fast 3 Jahre alten Astronomik profi OIII stellen. Da der Astronomik nur in 1,25" vorhanden war, kam ein Filter-Adapter am LV 30mm Okular zum Einsatz. Durch den zu kleinen Filter wurde das Gesichtsfeld des LV 30 deutlich eingeschränkt, ein gut 50° großer Bereich in der Bildmitte blieb jedoch frei von Vignettierungen und war so problemlos zum Vergleich nutzbar. Beobachtet wurde mit einem 12" f/4 Newton, also bei 7,5mm AP mit einem sehr hellen Bild.
Der Unterschied in der Filterwirkung war überraschend deutlich. Während der Astronomik den Himmelshintergrund gut abdunkelte und den Zirrusnebel so überhaupt erst sichtbar machte, blieb das Feld aber deutlich aufgehellt. Der Ost-Teil des Nebels (NGC 6992-5) war in seinen Umrissen gut auszumachen. Auch der Bereich "Sturmvogel" (NGC 6960) ließ sich gut erkennen. Der Baader OIII aber erzeugte einen wesentlich dunkleren Himmelshintergrund und schaffte es so, die schwächeren Ausläufer der "Knochenhand" sichtbar zu machen. Um einen weiteren Anhaltspunkt zu haben, kam auch der Astronomik UHC zum Einsatz. Damit waren lediglich die hellsten "Nebelknoten" in NGC 6992-5 zu erkennen, und der Sturmvogel war nur durch leichtes verschieben des Gesichtsfeldes (field sweeping) erahnbar. Der Himmelshintergrund war mit dem UHC noch heller, eben zu hell. Der Vergleich mit dem UHC liefert aber einen guten Anhaltspunkt, um die Unterschiede zwischen den beiden OIII-Filtern zu beschreiben. Im Vergleich zum Astronomik OIII dunkelt der Baader den Himmelshintergrund grob nocheinmal so stark ab, wie es der Astronomik OIII im Vergleich zum Astronomik UHC tut.
Auch in der zweiten Beobachtungsnacht, diesmal an anderem Standort und unter wesentlich besseren Bedingungen, zeigte sich ein ähnliches Bild. Wieder am 12" f/4 Newton und zunächst mit dem LV 30 kamen die beiden Filter unter einem 5,7mag Neumondhimmel zum Einsatz. Der Zirrusnebel war unter diesen Bedingungen bereits ohne Filter gut auszumachen. Der Astronomik OIII zeigte nun auch die Knochenhand und der Baader OIII konnte trotz spürbar dunklerem Himmelshintergrund dem Nebel keine weiteren Strukturen entlocken. Der Nebel wurde durch den Baader OIII nicht dunkler, zumindest soweit dies wahrnehmbar war. Der Astronomik zeigte aber deutlich mehr Sterne als der Baader. Das nächste Objekt für den Baader OIII war der Nordamerikanebel (NGC 7000). Wegen seiner grossen Ausdehnung und des schwachen Kontrastes ist der Nordamerikanebel eigentlich sowohl mit UHC als auch OIII berühmt dafür, "übersehen" zu werden. Der Baader OIII brachte die H2-Region aber unübersehbar deutlich hervor. Der Nebel präsentierte sich kräftig wie beim betrachten eines schwarzweiss Fotos. Auch Details im Pelikan-Nebel (IC 5067) liessen sich gut erkennen. Der nächste Vergleich zwischen Astronomik OIII und Baader OIII hatte den Crescent Nebel (NGC 6888) als Objekt. Nun kamen die Filter zunächst an einem 22mm Nagler Typ 4 zum Einsatz, dann mit Hilfe des 2" Filtergewinde an einem 1,25" Adapter auch am Speers-Waler 14mm. Der Astronomik OIII zeigte die helle Sichelform deutlich mit ihren eigenartig gefransten Rändern. Der Baader OIII aber konnte auch den gegenüberliegenden Teil des Nebels herausarbeiten, so daß das Objekt mehr die Form eines Pilzes annahm. Auch hier gingen durch die kräftige Wirkung des Baader wieder mehr Sterne "verloren". Durch das Fehlen der Sterne wirkte das Bild auch insgesamt dunkler und da man sich zum Fokussieren ebenfalls an Sternen orientiert, wurde dies auch spürbar erschwert. Auch dieser Nebel büsste keine Helligkeit ein, soweit das ohne Hilfsmittel feststellbar war.
Ein letztes Vergleichsobjekt bildete schließlich der noch tief stehende Orionnebel (M 42, M 43). Hier verlor der Zentrumsbereich des Nebels mit dem Baader OIII an Brillianz. Die hellen Reflexionsanteile wurden im Baader OIII praktisch völlig unterdrückt, während der Astronomik OIII diese noch gut zeigte. Auch der Bereich M 43, der mehr aus Rexlexions- und H-Beta-Teilen besteht, wurde im Baader OIII nahezu unsichtbar. Die schwachen Ausläufer von M 42 aber wurden ausgedehnter und leichter erkennbar, als mit dem Astronomik.

Orionnebel mit Baader und Astronomik OIII - Nachgestellt
Nachgestellter Anblick des sehr tiefstehenden M42/43, links Baader, rechts Astronomik

Die Beobachtungen liefern bei sorgfältiger Betrachtung der Ergebnisse eigentlich genau jenes Bild, das auch theoretisch zu erwarten war. Das engere Durchlassfenster des Baader OIII dunkelt die Sterne merklich ab, aber ebenso kräftig wird auch der Himmelshintergrund abgedunkelt. Da dies mit einem, wenn überhaupt, nur unmerklichen Helligkeitsverlust eines OIII-Objektes verbunden ist, hebt sich dieses wesentlich deutlicher vom Himmelshintergrund ab, als bei der Beobachtung mit dem breiteren Durchlassfenster des Astronomik. Allerdings nur, wenn der Himmelshintergrund im Astronomik tatsächlich noch ein Störfaktor ist. Sobald der Himmelshintergrund durch bessere Bedingungen oder stärkere Vergrößerung dunkel genug ist, wird er bereits im Astronomik unsichtbar und der Baader besitzt nun den Nachteil, bei gleicher Kontraststeigerung weniger Sterne zu zeigen.
Bei Objekten mit kräftigen Reflexionsanteilen kann der Astronomik ausserdem ein etwas schöneres Bild liefern. Diese Objekte sind aber recht selten, Reflexionsnebel sind naturgemäß eher schwach.

Fazit

Der Baader OIII empfiehlt sich für die Beobachtung bei starkem Streulicht als der warscheinlich leistungsstärkste OIII-Filter im Amateurbereich. Beobachter, denen vor allem die Erkennbarkeit der Nebelstrukturen wichtig ist, treffen mit diesem Filter eine gute Wahl. Problematisch wird der Filter aber bei Objekten, deren Reiz in der Kombination aus Nebeln und Sternen oder der Kombination mit hellen Reflexionsnebeln liegt. Hier kann sich ein nicht so kräftiger Filter als Vorteilhaft erweisen.
Da der Filter also besonders bei schwachen Vergrößerungen seine enge Bandbreite ausspielen kann, empfiehlt er sich eher in der 2" Variante um schwache und ausgedehnte Objekte im Bereich 3mm bis 7mm AP zu beobachten. Der Vergrößerungsbereich zwischen 1mm AP und 3mm AP lässt sich zwar auch gut mit dem Baader OIII nutzen, aber hier wirkt sich der Verlust an erkennbaren Sternen deutlich aus.
Da ich den Baader OIII ohnehin als Filter für schwache Vergrößerung und für Balkonbedingungen angeschafft habe, bin ich äusserst zufrieden. Den vorhandenen Astronomik OIII kann der Baader OIII aber nicht ersetzen. Vielmehr ergänzen sich beide Filter recht gut.

Projekt Filter-Kompatibilitätstabelle: viele 2” Gewinde passen nicht zueinander!

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